Samstag, 12. Oktober 2019

Moskau oder Tetelberg? Das ist die Frage!

Aber wo zum Teufel liegt der Tetelberg?


Wer weiß denn sowas? Wir sollten es aber wissen, wenn die Bürger entscheiden sollen, wohin das neue technische Rathaus kommt.

Die meisten favorisieren die Moskauer Straße: Hauptbahnhof, Kölner Straße, zig Bahnen und Busse, klarer Fall. Aber Tetelberg? Nie gehört!

Moskauer Straße heißt aber auch Bahnhof, Worringer Platz, Lärm, Drogenszene. Schon die Juristen wollten nicht zum Oberbilker Markt, auch wenn er jetzt Puschkin-Platz heißt. Der Oberbilker Park ist eine öde, künstliche Wiedergutmachungs¬maßnahme; schrecklich wie dieses Wort.

Der geplante Vorgängerbau vom technischen Rathaus sollte ein Turm werden mit dem Namen "M" (vielleicht wie Moskau?) Die alten Düsseldorfer erinnern sich an etwas Anderes. "M" hieß der Mörderfilm mit Gustaf Gründgens und Peter Lorre, der 1932 gedreht wurde und dem Düsseldorfer Serienkiller Peter Kürten galt. Der "Vampir von Düsseldorf" hatte 1929 neun Menschen bestialisch umgebracht. Ein makabrer Scherz: Kürten wohnte keine 200 m entfernt vom geplanten "M" Turm. Der Plan wurde aufgegeben.

Das Herz schlägt in Bilk


Der Tetelberg ist das Herz von Bilk, ein gewichtiger Grund, sich hier niederzulassen. Die älteste Kirche von Düsseldorf steht auf dem Tetelberg. Die Sternwarte stand dort, mit der Robert Luther die "Düsseldorfer Planeten" entdeckte und somit unsere Stadt weltweit bekannt machte.

"Düsseldorf bei Bilk" müsste es eigentlich heißen, denn Bilk hatte in religiösen und juristischen Dingen lange Zeit die Nase vorn und wurde urkundlich 300 Jahre früher erwähnt, als das Fischerdorf an der Düssel.

Die "Berge" von Düsseldorf sind vom Rhein geschaffene Anhöhen auf der sonst flachen Niederterrasse, dem früheren Flussbett des Rheins. Unsere Vorfahren siedelten auf diesen Bergen in der bedrohlichen Nähe zum großen Fluss. Bilk ist daher die Keimzelle von Düsseldorf an der Mitte des Baches auf dem vornehmsten Berg, dem Tetelberg.

Autor: Dieter Jaeger  /  Redaktion: Bruno Reble  /  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf 2019

Freitag, 23. August 2019

Als die Kö noch Kastanienallee hieß

Der Düsseldorfer Geschichtsverein von 1880 e.V. räumt mit angeblichen Legenden auf und stellt die Frage, ob der Pferdemist im August 1848 echt war, der dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV bei seinem Besuch in Düsseldorf von empörten Bürgern entgegen geschleudert wurde.
Oder handelt es sich vielleicht um eine Legende, denn in den Rats- und Polizeiprotokollen aus dem Jahr 1848 findet sich kein Wort über diesen Skandal; mehr... rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/neues-jahrbuch-des-geschichtsvereins-duesseldorf-2019_aid-44830861

Bruno Reble schrieb daufhin am 09.08.2019 einen Leserbrief im Namen der Geschichtswerkstatt:

Natürlich gibt es über diesen Vorfall keine amtlichen Belege, denn der preußische Polizeistaat wollte den Unmut der Bürger unter allen Umständen totschweigen und die Presse war durch Zensur geknebelt und gefesselt.

Auch bei der "Wiedergutmachunng" nach 1852 gibt es wenig Quellenmaterial. Aber müssen wir heute darüber debattieren, ob die Friedrichstraße (wie auf dem Straßenschild behauptet) nach dem damaligen Friedrich Wilhelm IV benannt wurde oder vielleicht eher nach Friedrich II (gerne auch als der Große tituliert)?

Geschichtsschreibung sollte aus Sicht des Volkes die Zusammenhänge erklären und für einen klaren Standpunkt sorgen. Wem nützt es, wenn wir uns in unproduktiven Kontroversen verzetteln um des Kaisers Bart?

Samstag, 27. Juli 2019

Wenn der Leu(wer) sich auf die Suche nach dem Leu macht


Blog von Frank Leuwer

Die Generation Ü50 kennt wahrscheinlich noch das Rheinbahn-Haus am Konrad-Adenauer-Platz. Doch hieß dieses Haus nicht immer so und verbirgt eine spannende Suche.

Gebaut wurde das Haus Anfang des 20.Jahrhunderts als Düsseldorfer Zentrale des Ludwig-Loewe-Konzerns. Ludwig Loewe, eigentlich Louis Levy war jüdischer Unternehmer und spezialisierte sich auf Feinmaschinen und Waffen. 1936 musste das Unternehmen zur Stützung des angeschlagenen AEG-Konzerns mit diesem fusionieren. 1937 war, auf Druck der Nationalsozialisten, kein jüdisches Aufsichtsratsmitglied des Loewe-Konzerns mehr im neuen Gesamt-Aufsichtsrat.  Die Düsseldorfer Zentrale wurde aufgelöst ….. aber soweit nur zur Vorgeschichte.

Das Gebäude wurde ab 1937 umfangreich saniert und mit neuster Technik ausgestattet.  Wenige Wochen vor Kriegsbeginn 1939 zog die Rheinbahn mit ihrer Hauptverwaltung vom Wehrhahn in das Gebäude was fortan den Namen „Rheinbahnhaus“ trug. Da zum einen die Rheinbahn keine Löwen im Logo und zum anderen die Erinnerung an den Loewe-Konzern getilgt werden sollte, entfernte man die 5 steinernen Löwen von der Stahlbetonfassade.
Mit Fertigstellung der neuen Firmenzentrale in Heerdt entschied man das Gebäude, welches auf Grund seine enorme Stabilität den Bombenhagel des zweiten Weltkrieges fast unbeschadet überstand, abzureißen.

Foto : Stadtarchiv Düsseldorf                            Foto: Rheinbahnarchiv

Längst vergessen stieß man in den 1980er Jahren bei Ausschachtungsarbeiten für die Zentralwerkstatt auf dem Rheinbahngelände in Heerdt auf einen Schuttberg. Darunter entdeckte man 4 der 5 Löwen von der Fassade relativ unbeschädigt. 


  
Fotos: W.Funken – Ars Publica Düsseldorf

Man entschied die Löwen wieder aufzustellen. Den ersten Löwen gleich am Betriebshof in Heerdt. Die Firmenzentrale in Oberkassel bekam gleich 2 Löwen und den 4. stellte man in Heerdt in einem Park eines Seniorenzentrums auf.
Mit dem Umzug der Firmenzentrale von Oberkassel nach Lierenfeld stellte sich für uns „alde Lierenfelder“ die Frage ob wir für unseren Stadtteil auch 2 Denkmäler aus Zugewinn bekommen könnten.

Bei einem Mitarbeiterfest der Rheinbahn wurden am 14.Juni.2019 beide Löwen auf dem Betriebsgelände in Lierenfeld festlich eingeweiht.


Fotos. Rheinbahn : Hauptverwaltung Lierenfeld        Betriebshof Heerdt






Seniorenheim Heerdt (Foto W. Funken) 

Somit können wir in 4 von 5 Fällen erfolgreich die Suche beenden.



Euer „Sherlock“ Frank

Donnerstag, 30. Mai 2019

Viel Lärm um Clara

Randnotizen zum Schumann-Fest 2019

Clara Schumann war das, was man heute als Powerfrau bezeichnen würde: Selbst erfolgreiche Klavier-virtuosin und Komponistin, war sie als Mutter von acht Kindern Hauptversorgerin ihrer Familie und ihres Ehemanns Robert, der zwar 1850 zum städtischen Musikdirektor in Düsseldorf berufen wird, dann aber psychisch erkrankt und die Tage bis zu seinem Tod 1856 weitgehend in Anstalten zubringt.

Schreckliche Tage – Leierkasten - schreiende Buben

Clara hat Pech. Der Lärm verfolgt sie; nach tumultuösem Empfang am 2. September 1850, abends 19 Uhr auf dem Alleeplätzchen und einer sauer aufstoßenden Rechnung vom Breidenbacher Hof (ein Monatsgehalt von Robert für 3 Nächte).

Danach wohnt sie fünf Häuser weiter auf der Alleestr.44. Aus der Ferne tuten die Soldaten. Ein entnervter Zeitungs¬schreiber jammert: "Ach die trefflichen Soldaten, die nur immer tuten taten und die trefflichen Rekruten, die auch heute wieder tuten".

Schreiende Buben laufen einem Gaslieferanten hinterher "Middendorf, Schiddendorf, Middendorf, Schiddendorf", es stank bestialisch!

Etwas ruhiger wird es hinter dem Canal, wo die Bäume stehen, auf der Kastanienallee 46. Vor kurzem war hier der König mit Kot beworfen worden. Deshalb heißt der Ort jetzt „Kö“.

Danach geht es in die Herzogstraße. Wohnen neben Herzögen, klingt gut, aber es kommt anders. Eine englische Familie übt nebenan mit ihren Zöglingen die Tonleiter rauf und runter. In Sichtweite hämmert das Richardsche Hammerwerk, außerdem Klagen über Straßen- und Baulärm. Nichts wie fort von hier !

In der Bilkerstraße 15 kommt die Ruhe, aber auch das Ende. Denn der Gesundheitszustand von Robert Schumann verschlechtert sich rapide.

Nach der Einlieferung ihres Mannes in eine Heilanstalt, muss Clara in die Poststraße 27 umziehen und damit wieder in den Lärm hinein. Direkt neben ihrer Wohnung tobt die "Bockhalle", der lauteste Biergarten der Stadt: Damenorchester, politische Agitation.
Es wird ihre letzte Station in Düsseldorf. Arme Clara, dabei hatte alles so gut angefangen. In einem Brief hieß es hoffnungsfroh:

"Wir ziehen an den wunderschönen Rhein"

Aber eine Freundin hatte auch geschrieben: "Es gibt hier drei Nonnenklöster und eine Irrenanstalt."
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Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Freitag, 26. April 2019

Notre Dame brennt – das Herz von Paris in Flammen

Nach dem verheerenden Brand von Notre Dame am 15. April 2019 läuteten auf der ganzen Welt die Kirchenglocken im Gedenken an eine große Kathedrale. Auch in Düsseldorf, das gerne als „Klein-Paris“ tituliert wird, werfen wir ein trauriges Auge zurück, im Hinblick die besonderen Beziehungen zu „Groß-Paris“. Unser berühmtester Sohn Heinrich Heine wurde 1797 in der Düsseldorfer Altstadt geboren und ist 1856 im Pariser Exil gestorben. Auch die Tour de France 2017 spielt eine Rolle: Großer Start am Rhein, Grande Finale an der Seine.

Der Nullpunkt - wo alles angefangen hat

NOTRE DAME liegt auf einer Seine-Insel, der "île de la Cité" und ist die Keimzelle von Paris. Hier beginnen alle Straßen in Frankreich. Der Null-Km-Stein liegt direkt vor dem Hauptportal in eine Bronzeplatte eingelassen. Hier befindet sich das steinerne Geschichtsbuch von Frankreich, in das sich alle Epochen eingeschrieben haben.

Schon die keltischen Ureinwohner vom Stamme der Parigier hatten diese Insel als Hauptstadt genutzt und Lutetia genannt. Für die Römer unter Julius Cäsar war das Gebiet zu sumpfig und sie machten zunächst einen Bogen drum herum. Später errichteten sie hier einen Tempel, der Jupiter geweiht war.

Unter König Chlodwig aus der Dynastie der Merowinger wird im 5.Jht. die Machtzentrale des Fränkischen Reichs von der Schelde-Mündung nach Paris verlagert. Childerich, Sohn des Chlodwig, gründet hier im 6.Jht. eine größere Kirche, damals noch benannt nach dem Heiligen Stephan (St.Etienne), der erste Märtyrer der Christenheit, gesteinigt in Jerusalem.

Erst Maurice de Sully, Bischof von Paris, beginnt 1163 auf den Ruinen von St Etienne mit dem Bau einer Ecclesia Nova. Aus diversen kleineren Kapellen und einem Gewirr von Gassen entsteht eine wuchtige Groß-Kirche im romanischen Baustil, benannt nach "Unserer Lieben Frau“ (gemeint ist die Gottesmutter).

Es folgt die Gotik mit ihren prächtigen Wunderbauten. Höher, durchsichtiger, filigraner heißt die Devise. Dazu gehören glitzernde Rosettenfenster, Türmchen, Spitzen, Säulen und ein Kranz von Kapellen. Außerdem wird Notre Dame vollgepackt mit prunkvollen Altären, Kirchenschätzen und Reliquien (u.a. mit der „Dornenkrone Christi“). So werden jede Menge Pilger angelockt und Geld in die Stadt gebracht. Der Heilige Apollinaris in Düsseldorf lässt grüßen.

Notre Dame droht der Verfall

Zwar wird ab 1728 (im Zeitalter der Aufklärung) der Prunk etwas zurück gefahren. Dennoch fegt 1793 der Feuersturm der Französischen Revolution über die Kathedrale hinweg. Der Kirchenschatz wird geplündert, die überlebensgroßen Statuen der Königsgalerie demoliert, Edelmetalle und Glocken eingeschmolzen und zu Münzen oder Kanonen verarbeitet. Außerdem wird das Gotteshaus zum weltlichen Tempel erklärt. Später erfolgt die Umfunktionierung in ein Weinlager der Armee.

1802 gestattet Napoleon wieder die liturgische Nutzung der Kirche und krönt sich dort zwei Jahre später zum Kaiser. In der Julirevolution 1830 stürmen erneut Aufständische die Kirche und Heinrich Heine kolportiert dieses Ereignis mit dem Werkzeug des Poeten:
Bonaparte's Thron in Trümmer,
Der Bourbonen Stuhl zerbrochen,
Louis Philipp kaum geflüchtet —
Vive la republique! brüllt' es
Durch die Straßen an der Seine;
Auf dem Thurm der Notre Dame
Flattert wild die Tricolore,
Drunten Sturm die Glocken heulen.

Die Wende wird 1831 eingeläutet mit dem Roman „Notre Dame de Paris“. Mit diesem literarischen Meisterwerk haucht der Autor Victor Hugo [franz. ü’go] dem maroden Monument neues Leben ein, sorgt für Begeisterung und Spendenbereitschaft und gibt so den Anstoß für umfangreiche Renovierungsarbeiten.

Heinrich Heine macht sich in Paris keine neuen Freunde, als er den großen Victor Hugo als Buckligen verspottet und am Roman »Notre-Dame de Paris« die Altertümlichkeit der Dinge tadelt und abfällig von einer Rumpelkammer spricht.

Das Bilderbuch der Nation

Notre Dame ist nicht nur ein Spiegel für das Auf und Ab der französischen Geschichte und damit in Stein gemeißelte Symbolik. Die Kathedrale steht auch für die prallen Szenen, die sich vom Mittelalter bis heute rund um das Gebäude abgespielt haben. Man denke nur an die Hauptfiguren im „Glöckner von Notre Dame“: der missgestaltete Quasimodo und die schöne Esmeralda.

Denn klar ist: eine Kirche mit Platz für 10.000 Menschen ist allein mit liturgischen Dienstbarkeiten nicht ausgelastet. Hier war – günstig am Wasser gelegen - ein hochkarätiger Handelsplatz. Es herrschte Rummel und Gewühl wie auf einem Markt. Verträge wurden im Mittelalter mit einem Schwur besiegelt. Und wo lässt sich besser schwören als an einem geweihten Ort?

Außerdem war die reich bebilderte Fassade ein gigantisches Sammelsurium an Erzählungen, Geschichten, Phantasien und Schimären; sozusagen der Stoff aus dem die Träume sind. So etwas lässt man nicht verfallen.

Und so heißt es heute wie damals: Verkommen lassen? Abreißen? Notre Dame? Nie und nimmer!

Autor: Bruno Reble | nach einer Idee von Dieter Jäger | © 2019 geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Quellen:
1.    Dichtungen von Heinrich Heine, aufrufbar über books.google.de
2.    Wikipedia, die freie Enzyklopädie  de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_Notre-Dame_de_Paris
3.    Stern Nr.18 vom 25.4.2019 « Die 850-jährige Geschichte von Notre Dame »

Donnerstag, 14. März 2019

Oper - wohin?

"Oper, du bist mein Augenstern, Oper, hab' dich zum Protzen gern!"
Sind das die neuen Töne auf den Bühnen dieser Stadt?

Viel Getöse hat es bereits gegeben und großartige Pläne: Kleckern oder Klotzen, aufwändige Sanierung oder pompöser Neubau? Und falls Neubau, wo soll er stehen: an alter Stelle oder spektakulär im Medienhafen?

OB Thomas Geisel mahnt: "Maß und Mitte"

Und genau in der Mitte steht sie seit Menschengedenken, die Oper im Hofgarten, Düsseldorfs edelste Mitte. Das war schon immer so.

Die erste Oper (oder ein Vorläufer davon) stand im Hofgarten zwischen Pempelfort und Düsseldorf. Auf einer beweglichen Simultanbühne (Berg, Wiese, Haus) sangen zwei Jünglinge "Amphion und Orpheus". 1585 war das… auf der Hochzeit von Herzog Johann Wilhelm, dem Schwachsinnigen mit der Prinzessin Jacobe von Baden, der Frömmelnden mit dem unseligen Schicksal.

Die zweite Oper lag ebenfalls an der Düssel, im Hofgarten zwischen Ratinger-und Mühlenstraße. Händel besuchte sie. Lully, der große französische Opernkomponist bekam hier seine deutschen Uraufführungen. Es war die Hof-Oper von Kurfürst Jan Wellem. Schon sein Vater Philipp Wilhelm hatte im Hofgarten großartige Opern gefeiert. Zur Geburt seiner Kinder hatte man 10 Pferde zwei Jahre lang trainiert, damit sie "artig tanzten".

Auch die dritte Oper lag wiederum im Hofgarten: 1875 auf den Grundmauern der geschleiften Festung im "Botanischen Garten" an der heutigen Heinrich-Heine-Allee.
Jetzt ist der Altbau in die Jahre gekommen, das Dach marode, die Mauern feucht. Ein Neubau soll den großen Wurf bringen und die Kassen klingeln lassen.

Doch wohin mit dem künftigen Kultur-Palast?

Liebe Düsseldorfer, lassen wir die Oper an ihrem Standort an der vornehmsten Allee, die den Namen des Vornehmsten trägt. Sie ist Bestandteil des Hofgartens. Sie prägt und verändert ihn.
Lassen wir die Oper in der Mitte der Stadt, nicht im Wust zwischen der aufgemotzten Weizenmühle von PLANGE und dem Schnäppchenjäger TRIVAGO, auch nicht zwischen dem imposanten Fernsehturm und der durchgeknallten Affeninsel „Monkey‘s Island“.

Am Anfang war alles Oper

ein Zusammenspiel von Singen, Sprechen und Tanzen. Die italienische Renaissance hat daran wieder angeknüpft. Aus ihrer Oper entwickeln sich die einzelnen Sprech-, Sing- und Tanztheater der Gegenwart. Das Opernhaus entwickelte sich zum Kulturtempel der europäischen Metropolen.

„Mein schönster Beruf war Statist, aber nicht irgendwo, sondern an der Oper in Düsseldorf. Wann immer der Gefangenenchor in Beethovens FIDELIO in die Knie sank, tippte mir mein erfahrener Kollege in die Kniekehlen. Ich ging zu Boden und küsste die Bretter, die die Welt bedeuten, denn ich küsste die Bretter der Oper zu Düsseldorf“, erinnert sich Dieter Jaeger.

Und auch Goethe schwärmt voller Enthusiasmus:„In dieser Oper werde ich auch für Rührung sorgen (…) wonach das gemeine Publikum so sehr sich sehnt (…) Jeder Laffe und jede Läffin sind einmal zärtlich gewesen und an diesen Saiten ist gut klimpern. Um höhere Leidenschaften und Geist, Laune und Geschmack mit zu empfinden, muss man ihrer auch fähig sein, sie zu besitzen.“ (Brief an P.C.Kayser 1785)


Autor: Dieter Jaeger  |  Redaktion: Bruno Reble  |  © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Der Corneliusplatz - die alte Mitte


oder wie aus einem hässlichen Aschenputtel eine strahlende Prinzessin wird

Der Künstler Peter Cornelius, ein „Hippie“, der in Rom in einer WG lebte, langhaarig und bleich wie Jesus, bekommt in Düsseldorf ein großes Denkmal. Während der „Halbjude“ Schadow nur mit einer Büste bedacht wird, der „Volljude“ Bendemann nur mit einer winzigen Straße.
Wenn der Martin-Luther-Platz die "Neue Mitte" ist, dann ist der Corneliusplatz die "Alte Mitte". Auf allen Postkarten sieht man ihn, er ist der "Potsdamer Platz" von Düsseldorf, ein Gewusel an der Kreuzung Kö-Schadowstr, das Gebäude „Nummer 1“: der Kaufhof, die beiden bekanntesten Brunnen, in der Mitte grün-frisch gestrichen: die "schlanke Mathilde", die alte Uhr von 1902. Aber der Corneliusplatz ist ziemlich jung. Der Schadowplatz ist älter und am Anfang war er nur ein Canal.

Nach dem Mauerfall

Huschberger baute die Kö zwar 7 Jahre vor der Heineallee, aber die Kö stand lange im Schatten des Boulevard Napoleon, “JWD“ (Janz Weit Draußen) vor der neuen Zollmauer. Keiner wollte dort wohnen. Die neue Zollmauer war der Canal, das Wasser, das die Leute nach dem Fall der Mauer 1801 zwar schützte, aber auch trennte vor denen da draußen, den Fremden.
Huschberger wollte den Canal eigentlich um die ganze Stadt ziehen, mit der krummen Landskrone (krummer Köbogen) ging es nach Norden weiter. Der Bogen war notwendig, weil der Mühlenweiher ein Teil des alten Hofgartens geworden war, also „Heiliges Land“.
Vagedes baut 1811 sein Ratinger Tor ursprünglich auf einer Brücke über den Canal, der in den neuen Hafen münden sollte. Aber im Süden wurde es schwierig mit der Kanalisierung um Düsseldorf herum. Die vornehmen Häuser entstehen alle auf der Heinrich-Heine-Allee: Hotel Breidenbach, das Theater, die Oper, das Gymnasium, die Kunsthalle. Später kann nur die Heine-Allee die Denkmalstraße werden.

Die Kö war Hinterhof

gerade gut genug, als Bahnhofstraße zu dienen, als die Eisenbahn 1838 am Ende der Kö beginnt. An der Canalstraße (so hieß die Kö zu Beginn) betrieb Franz Schimmelbusch eine Eisengießerei (ungefähr an der Rückseite vom Breidenbacher Hof).
Es ist verständlich, dass man keinen Zugang zur Kö von der Heineallee wollte, auch keinen Zugang von der Schadowstraße (sie endete am Kälbermarkt). Der Canal ging brückenlos durch, von der Elberfelder- bis zur Benrather Straße. Häuserblöcke versperrten die uralte Verbindung Flingerstr - Flinger Steinweg (Schadow), allerdings auch zwischen Flingerstr und Heineallee. Man hatte die uralten Wege längst vergessen.
So blieb nur der Kälbermarkt, ein Viehmarkt draußen vor der Stadtmauer, als einzige Verbindung.
Und etwas weiter südlich gab es seit 1766 den Friedhof. Also sollte man dort wohnen? Am Viehmarkt, am übel riechenden Canal, hinter zwei wackligen Holzbrücken an der Eisengießerei?

Ein Lustgarten für den Polizei-Chef

Der im Verruf stehende Polizei-Direktor Heinrich Schnabel, eröffnete 1806 auf dem verlassenen Friedhof seinen "Lustgarten" (Eingang: heutige Steinstraße) Aber das war erst der Anfang.
Das Bild wandelte sich ganz allmählich. Der Jägerhof war seit 1820 mit Prinz Friedrich von Preußen wieder bewohnt, eine Art neuer Jan Wellem. Der preußische König Friedrich Wilhelm III besucht ihn. Die Umgebung wird veredelt. 1838 baut Schnitzler das Friedrichsbad in der Goltsteinstraße, eine erste Sauna, die Loge sitzt in der Wiese hinter dem Kälbermarkt.
Die Elberfelder- wird zur feinen Gallerie- und Gastrostraße, die Hofgartenstr zur vornehmsten Straße überhaupt. Der Flinger Steinweg wird 1851, noch zu Lebzeiten des Malers, Schadowstraße genannt.
1864 stellen die Düsseldorfer auf dem Kälbermarkt ein Schadowdenkmal auf. Der Markt heißt jetzt Schadowplatz. Dann besinnt man sich auf den Vorgänger, den Düsseldorfer Cornelius und gibt ihm ein noch größeres Denkmal. Das ist die Wende. Der Canal wird zugeschüttet.

Der Corneliusplatz entsteht

Noch einmal den Blick zurück: Wenn man vor 1800 die Stadt verlassen wollte, ging man zum neuen Flinger Tor (heute: McDonald Bolker Stern), das seit 1645 das alte Flinger Tor (Ende Flingerstr) ersetzt hatte. Über eine Brücke kam man in das Flinger Ravelin [ravəˈlɛ̃ː] Dieses vorgelagerte Bauwerk, mitten im Wasser zum Schutz des Tores, ist das größte Bollwerk überhaupt.
Über eine Brücke (Wassergraben 30m, 7m tief) ging es zur Flinger Contergarde; von hier (ungefähr Kaufhof Haupteingang, Corneliusplatz) auf verschlungenen Wegen ins Freie. Dieser letzte Ausgang befand sich ungefähr am Ort der Uhr (etwas östlich davon). 
Von dort konnte man den alten Flinger Steinweg durch den heute noch existierenden Wurmfortsatz, der späteren Blumenstraße, betreten. Die kleine Blumengasse war das Ziel aller Feld- und Gartenwege, die später unsere City ausmachen. Nur hier ging es hinein in die Stadt, wenn man von Osten kam, die anderen Eingänge (Ratingerstraße und Bergerallee) lagen weit weg. Goethe, Heines Eltern, der Weltreisende Georg Forster, zusammen mit Alexander von Humboldt, sie alle mögen diesen Weg gegangen sein. Wer von Osten kam, musste durch dieses Tor.
Wenn 1806 (5 Jahre nach dem Mauerfall) Joachim Murat, Chef von Düsseldorf in der Franzosenzeit, in 20 Minuten nach Schloss Benrath ritt, dann ging das vom Benrather Tor (auf dem Canal) im Galopp durch wildes siedlungsfreies Land bis zum Lokal Schnapp an der Kölner Straße in Oberbilk. Und dann war er schon fast da.
Huschberger machte aus den Trümmern des Flinger Ravelins die Elberfelder Straße, die geradewegs vom Flinger Tor kam und zum schon früher existierenden Kälbermarkt führte, eine nördlich Abzweigung. Der alte Umgehungsweg der Festung, wird zur Hofgarten- Kaiserstraße. Auf die Elberfelder-, genau auf die Spitze des zerstörten Ravelins, setzte Vagedes den Napoleon Triumphbogen 1811. Später wird genau hier der Triumphbogen für Kaiser Wilhelm II gesetzt. Erst 1811, nach dem Besuch Napoleons, baut Vagedes die Heineallee und das berühmte Ratinger Tor.

Warum fing Huschberger mit der Kö an und nicht mit der Heine-Allee?

Kaspar Anton Huschberger, der erfahrene Baumeister, der schon beim Bau der Karlstadt mitgeholfen hatte, musste 1801 nach der Demolierung der Stadtmauer durch die Franzosen zunächst die Wasserversorgung klären. Er schuf einen Canal, der ungefähr an der Stelle des Umgehungsweges der Festung vom neuen Hafen (Roeberstr / 1811 fertiggestellt) über Kaiser- /Hofgartenstr / Kö / Haroldstr bis zum Rhein führen sollte (an Stelle des heutigen Apollo). Dieser Canal war die neue Stadtmauer mit Zollgrenze und Wachhäusern auf den beiden Canalbrücken (Elberfelder- und Benrather Straße).
Huschberger gab damit der Stadt Düsseldorf eine neue Bedeutung: Sie war nun von der Düssel eingekreist, eine wirkliche "Düsselstadt". 
Es gab noch einen zweiten Grund: die Kurtine, also der Stadtwall, die eigentliche Mauer zwischen den Bastionen (heute Heineallee) war stehen geblieben. Die Düsseldorfer wollten eine Promenade hoch oben errichten. Außerdem wollte man bei Hochwasser auf diesen hohen Wall flüchten. Huschberger bewies, dass das natürliche Niveau auf der Heineallee um einiges höher lag als der Wasserstand der schlimmsten Rheinkatastrophe. Er wollte auch das Runtergucken ins Elend der Neustraße vermeiden.
Der dritte Grund: Herr Beuth, Hofkammerrat, saß mittlerweile auf der "Beuthschen Bastion", mitten auf der neuen Breitestraße, die seinetwegen nicht weiter nach Norden gezogen werden konnte. Das Wilhelm-Marx-Haus, eine Art neuer Sperrblock a la Beuth, erinnert uns daran: die Heine-Allee endet hier.

Wo es 1879 angefangen hat

Mit dem Cornelius-Denkmal geht alles los. Man setzte es zwischen Hofgarten- und Elberfelder Straße. Es stand später mitten vor Steigenbergers Parkhotel (1902). Die Nazis schoben es 1937 in den Wald, um Platz für ihre Aufmärsche zu bekommen. Heute kann man es wieder von allen Seiten bewundern.
Der Düsseldorfer Peter Cornelius, in der Kurze Straße geboren, ist einer der berühmtesten Maler seiner Zeit und leitet von 1822-26 als erster Direktor die neu erstandene Kunstakademie. Er war ein frommer Lukasjünger. Daher ist bei seinem Denkmal die Figur der Religion verhüllt, mit Bibel und Kreuz, aber gleich daneben ein schönes Nackedei, das die Poesie darstellt. 
Der Verschönerungsverein machte aus dem zugeschütteten Canal unseren Corneliusplatz. Jetzt werden alle alten Zugänge wieder geöffnet: Bazarstr (heute Körner-) zur Heineallee, Schadowstraße zum alten Flinger Steinweg.
Leo Mösch schuf 1882 den Schalenbrunnen auf dem noch leeren Corneliusplatz. 1902 zur Eröffnung der großen Ausstellung schuf Fritz Coubillier den Tritonen-Brunnen. Triton, Sohn des Meeresgottes Poseidon, tötet hier einen gigantischen Fisch. Die lustigen Putten mildern das grausame Geschehen.
1909 schuf Joseph Maria Olbrich den Kaufhof, der mit seiner Jugendstil-Fassade zum Denkmalschutz-Objekt Nr.1 avancierte.
Peter Cornelius, ein Jünger des frommen Lukasbundes, ein "Nazarener" mit langen Jesushaaren, weilte, wie auch Schadow, im heiligen Rom. Aber - und das macht ihn sympathisch - er war dem Irdischen nicht abhold. Von seiner Ehefrau, einer feurigen Italienerin, sagte ein Zeitgenosse:

"Nie sah ich einen schöneren Oberleib."


Autor: Dieter Jäger  |  Redaktion: Bruno Reble  |  © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de