Freitag, 23. August 2019

Als die Kö noch Kastanienallee hieß

Der Düsseldorfer Geschichtsverein räumt mit angeblichen Legenden auf und stellt die Frage, ob der Pferdemist im August 1848 echt war, der dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV bei seinem Besuch in Düsseldorf von empörten Bürgern entgegen geschleudert wurde.
Oder handelt es sich vielleicht um eine Legende, denn in den Rats- und Polizeiprotokollen aus dem Jahr 1848 findet sich kein Wort über diesen Skandal.
mehr... https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/neues-jahrbuch-des-geschichtsvereins-duesseldorf-2019_aid-44830861

Bruno Reble schrieb daufhin am 09.08.2019 einen Leserbrief im Namen der Geschichtswerkstatt:

Natürlich gibt es über diesen Vorfall keine amtlichen Belege, denn der preußische Polizeistaat wollte den Unmut der Bürger unter allen Umständen totschweigen und die Presse war durch Zensur geknebelt und gefesselt.

Auch bei der "Wiedergutmachunng" nach 1852 gibt es wenig Quellenmaterial. Aber müssen wir heute darüber debattieren, ob die Friedrichstraße (wie auf dem Straßenschild behauptet) nach dem damaligen Friedrich Wilhelm IV benannt wurde oder vielleicht eher nach Friedrich II (gerne auch als der Große tituliert)?

Geschichtsschreibung sollte aus Sicht des Volkes die Zusammenhänge erklären und für einen klaren Standpunkt sorgen. Wem nützt es, wenn wir uns in unproduktiven Kontroversen verzetteln um des Kaisers Bart?

Samstag, 27. Juli 2019

Wenn der Leu(wer) sich auf die Suche nach dem Leu macht


Blog von Frank Leuwer

Die Generation Ü50 kennt wahrscheinlich noch das Rheinbahn-Haus am Konrad-Adenauer-Platz. Doch hieß dieses Haus nicht immer so und verbirgt eine spannende Suche.

Gebaut wurde das Haus Anfang des 20.Jahrhunderts als Düsseldorfer Zentrale des Ludwig-Loewe-Konzerns. Ludwig Loewe, eigentlich Louis Levy war jüdischer Unternehmer und spezialisierte sich auf Feinmaschinen und Waffen. 1936 musste das Unternehmen zur Stützung des angeschlagenen AEG-Konzerns mit diesem fusionieren. 1937 war, auf Druck der Nationalsozialisten, kein jüdisches Aufsichtsratsmitglied des Loewe-Konzerns mehr im neuen Gesamt-Aufsichtsrat.  Die Düsseldorfer Zentrale wurde aufgelöst ….. aber soweit nur zur Vorgeschichte.

Das Gebäude wurde ab 1937 umfangreich saniert und mit neuster Technik ausgestattet.  Wenige Wochen vor Kriegsbeginn 1939 zog die Rheinbahn mit ihrer Hauptverwaltung vom Wehrhahn in das Gebäude was fortan den Namen „Rheinbahnhaus“ trug. Da zum einen die Rheinbahn keine Löwen im Logo und zum anderen die Erinnerung an den Loewe-Konzern getilgt werden sollte, entfernte man die 5 steinernen Löwen von der Stahlbetonfassade.
Mit Fertigstellung der neuen Firmenzentrale in Heerdt entschied man das Gebäude, welches auf Grund seine enorme Stabilität den Bombenhagel des zweiten Weltkrieges fast unbeschadet überstand, abzureißen.

Foto : Stadtarchiv Düsseldorf                            Foto: Rheinbahnarchiv

Längst vergessen stieß man in den 1980er Jahren bei Ausschachtungsarbeiten für die Zentralwerkstatt auf dem Rheinbahngelände in Heerdt auf einen Schuttberg. Darunter entdeckte man 4 der 5 Löwen von der Fassade relativ unbeschädigt. 


  
Fotos: W.Funken – Ars Publica Düsseldorf

Man entschied die Löwen wieder aufzustellen. Den ersten Löwen gleich am Betriebshof in Heerdt. Die Firmenzentrale in Oberkassel bekam gleich 2 Löwen und den 4. stellte man in Heerdt in einem Park eines Seniorenzentrums auf.
Mit dem Umzug der Firmenzentrale von Oberkassel nach Lierenfeld stellte sich für uns „alde Lierenfelder“ die Frage ob wir für unseren Stadtteil auch 2 Denkmäler aus Zugewinn bekommen könnten.

Bei einem Mitarbeiterfest der Rheinbahn wurden am 14.Juni.2019 beide Löwen auf dem Betriebsgelände in Lierenfeld festlich eingeweiht.


Fotos. Rheinbahn : Hauptverwaltung Lierenfeld        Betriebshof Heerdt






Seniorenheim Heerdt (Foto W. Funken) 

Somit können wir in 4 von 5 Fällen erfolgreich die Suche beenden.



Euer „Sherlock“ Frank

Donnerstag, 30. Mai 2019

Viel Lärm um Clara

Randnotizen zum Schumann-Fest 2019

Clara Schumann war das, was man heute als Powerfrau bezeichnen würde: Selbst erfolgreiche Klavier-virtuosin und Komponistin, war sie als Mutter von acht Kindern Hauptversorgerin ihrer Familie und ihres Ehemanns Robert, der zwar 1850 zum städtischen Musikdirektor in Düsseldorf berufen wird, dann aber psychisch erkrankt und die Tage bis zu seinem Tod 1856 weitgehend in Anstalten zubringt.

Schreckliche Tage – Leierkasten - schreiende Buben

Clara hat Pech. Der Lärm verfolgt sie; nach tumultuösem Empfang am 2. September 1850, abends 19 Uhr auf dem Alleeplätzchen und einer sauer aufstoßenden Rechnung vom Breidenbacher Hof (ein Monatsgehalt von Robert für 3 Nächte).

Danach wohnt sie fünf Häuser weiter auf der Alleestr.44. Aus der Ferne tuten die Soldaten. Ein entnervter Zeitungs¬schreiber jammert: "Ach die trefflichen Soldaten, die nur immer tuten taten und die trefflichen Rekruten, die auch heute wieder tuten".

Schreiende Buben laufen einem Gaslieferanten hinterher "Middendorf, Schiddendorf, Middendorf, Schiddendorf", es stank bestialisch!

Etwas ruhiger wird es hinter dem Canal, wo die Bäume stehen, auf der Kastanienallee 46. Vor kurzem war hier der König mit Kot beworfen worden. Deshalb heißt der Ort jetzt „Kö“.

Danach geht es in die Herzogstraße. Wohnen neben Herzögen, klingt gut, aber es kommt anders. Eine englische Familie übt nebenan mit ihren Zöglingen die Tonleiter rauf und runter. In Sichtweite hämmert das Richardsche Hammerwerk, außerdem Klagen über Straßen- und Baulärm. Nichts wie fort von hier !

In der Bilkerstraße 15 kommt die Ruhe, aber auch das Ende. Denn der Gesundheitszustand von Robert Schumann verschlechtert sich rapide.

Nach der Einlieferung ihres Mannes in eine Heilanstalt, muss Clara in die Poststraße 27 umziehen und damit wieder in den Lärm hinein. Direkt neben ihrer Wohnung tobt die "Bockhalle", der lauteste Biergarten der Stadt: Damenorchester, politische Agitation.
Es wird ihre letzte Station in Düsseldorf. Arme Clara, dabei hatte alles so gut angefangen. In einem Brief hieß es hoffnungsfroh:

"Wir ziehen an den wunderschönen Rhein"

Aber eine Freundin hatte auch geschrieben: "Es gibt hier drei Nonnenklöster und eine Irrenanstalt."
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Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Freitag, 26. April 2019

Notre Dame brennt – das Herz von Paris in Flammen

Nach dem verheerenden Brand von Notre Dame am 15. April 2019 läuteten auf der ganzen Welt die Kirchenglocken im Gedenken an eine große Kathedrale. Auch in Düsseldorf, das gerne als „Klein-Paris“ tituliert wird, werfen wir ein trauriges Auge zurück, im Hinblick die besonderen Beziehungen zu „Groß-Paris“. Unser berühmtester Sohn Heinrich Heine wurde 1797 in der Düsseldorfer Altstadt geboren und ist 1856 im Pariser Exil gestorben. Auch die Tour de France 2017 spielt eine Rolle: Großer Start am Rhein, Grande Finale an der Seine.

Der Nullpunkt - wo alles angefangen hat

NOTRE DAME liegt auf einer Seine-Insel, der "île de la Cité" und ist die Keimzelle von Paris. Hier beginnen alle Straßen in Frankreich. Der Null-Km-Stein liegt direkt vor dem Hauptportal in eine Bronzeplatte eingelassen. Hier befindet sich das steinerne Geschichtsbuch von Frankreich, in das sich alle Epochen eingeschrieben haben.

Schon die keltischen Ureinwohner vom Stamme der Parigier hatten diese Insel als Hauptstadt genutzt und Lutetia genannt. Für die Römer unter Julius Cäsar war das Gebiet zu sumpfig und sie machten zunächst einen Bogen drum herum. Später errichteten sie hier einen Tempel, der Jupiter geweiht war.

Unter König Chlodwig aus der Dynastie der Merowinger wird im 5.Jht. die Machtzentrale des Fränkischen Reichs von der Schelde-Mündung nach Paris verlagert. Childerich, Sohn des Chlodwig, gründet hier im 6.Jht. eine größere Kirche, damals noch benannt nach dem Heiligen Stephan (St.Etienne), der erste Märtyrer der Christenheit, gesteinigt in Jerusalem.

Erst Maurice de Sully, Bischof von Paris, beginnt 1163 auf den Ruinen von St Etienne mit dem Bau einer Ecclesia Nova. Aus diversen kleineren Kapellen und einem Gewirr von Gassen entsteht eine wuchtige Groß-Kirche im romanischen Baustil, benannt nach "Unserer Lieben Frau“ (gemeint ist die Gottesmutter).

Es folgt die Gotik mit ihren prächtigen Wunderbauten. Höher, durchsichtiger, filigraner heißt die Devise. Dazu gehören glitzernde Rosettenfenster, Türmchen, Spitzen, Säulen und ein Kranz von Kapellen. Außerdem wird Notre Dame vollgepackt mit prunkvollen Altären, Kirchenschätzen und Reliquien (u.a. mit der „Dornenkrone Christi“). So werden jede Menge Pilger angelockt und Geld in die Stadt gebracht. Der Heilige Apollinaris in Düsseldorf lässt grüßen.

Notre Dame droht der Verfall

Zwar wird ab 1728 (im Zeitalter der Aufklärung) der Prunk etwas zurück gefahren. Dennoch fegt 1793 der Feuersturm der Französischen Revolution über die Kathedrale hinweg. Der Kirchenschatz wird geplündert, die überlebensgroßen Statuen der Königsgalerie demoliert, Edelmetalle und Glocken eingeschmolzen und zu Münzen oder Kanonen verarbeitet. Außerdem wird das Gotteshaus zum weltlichen Tempel erklärt. Später erfolgt die Umfunktionierung in ein Weinlager der Armee.

1802 gestattet Napoleon wieder die liturgische Nutzung der Kirche und krönt sich dort zwei Jahre später zum Kaiser. In der Julirevolution 1830 stürmen erneut Aufständische die Kirche und Heinrich Heine kolportiert dieses Ereignis mit dem Werkzeug des Poeten:
Bonaparte's Thron in Trümmer,
Der Bourbonen Stuhl zerbrochen,
Louis Philipp kaum geflüchtet —
Vive la republique! brüllt' es
Durch die Straßen an der Seine;
Auf dem Thurm der Notre Dame
Flattert wild die Tricolore,
Drunten Sturm die Glocken heulen.

Die Wende wird 1831 eingeläutet mit dem Roman „Notre Dame de Paris“. Mit diesem literarischen Meisterwerk haucht der Autor Victor Hugo [franz. ü’go] dem maroden Monument neues Leben ein, sorgt für Begeisterung und Spendenbereitschaft und gibt so den Anstoß für umfangreiche Renovierungsarbeiten.

Heinrich Heine macht sich in Paris keine neuen Freunde, als er den großen Victor Hugo als Buckligen verspottet und am Roman »Notre-Dame de Paris« die Altertümlichkeit der Dinge tadelt und abfällig von einer Rumpelkammer spricht.

Das Bilderbuch der Nation

Notre Dame ist nicht nur ein Spiegel für das Auf und Ab der französischen Geschichte und damit in Stein gemeißelte Symbolik. Die Kathedrale steht auch für die prallen Szenen, die sich vom Mittelalter bis heute rund um das Gebäude abgespielt haben. Man denke nur an die Hauptfiguren im „Glöckner von Notre Dame“: der missgestaltete Quasimodo und die schöne Esmeralda.

Denn klar ist: eine Kirche mit Platz für 10.000 Menschen ist allein mit liturgischen Dienstbarkeiten nicht ausgelastet. Hier war – günstig am Wasser gelegen - ein hochkarätiger Handelsplatz. Es herrschte Rummel und Gewühl wie auf einem Markt. Verträge wurden im Mittelalter mit einem Schwur besiegelt. Und wo lässt sich besser schwören als an einem geweihten Ort?

Außerdem war die reich bebilderte Fassade ein gigantisches Sammelsurium an Erzählungen, Geschichten, Phantasien und Schimären; sozusagen der Stoff aus dem die Träume sind. So etwas lässt man nicht verfallen.

Und so heißt es heute wie damals: Verkommen lassen? Abreißen? Notre Dame? Nie und nimmer!

Autor: Bruno Reble | nach einer Idee von Dieter Jäger | © 2019 geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Quellen:
1.    Dichtungen von Heinrich Heine, aufrufbar über books.google.de
2.    Wikipedia, die freie Enzyklopädie  de.wikipedia.org/wiki/Kathedrale_Notre-Dame_de_Paris
3.    Stern Nr.18 vom 25.4.2019 « Die 850-jährige Geschichte von Notre Dame »

Donnerstag, 14. März 2019

Oper - wohin?

"Oper, du bist mein Augenstern, Oper, hab' dich zum Protzen gern!"
Sind das die neuen Töne auf den Bühnen dieser Stadt?

Viel Getöse hat es bereits gegeben und großartige Pläne: Kleckern oder Klotzen, aufwändige Sanierung oder pompöser Neubau? Und falls Neubau, wo soll er stehen: an alter Stelle oder spektakulär im Medienhafen?

OB Thomas Geisel mahnt: "Maß und Mitte"

Und genau in der Mitte steht sie seit Menschengedenken, die Oper im Hofgarten, Düsseldorfs edelste Mitte. Das war schon immer so.

Die erste Oper (oder ein Vorläufer davon) stand im Hofgarten zwischen Pempelfort und Düsseldorf. Auf einer beweglichen Simultanbühne (Berg, Wiese, Haus) sangen zwei Jünglinge "Amphion und Orpheus". 1585 war das… auf der Hochzeit von Herzog Johann Wilhelm, dem Schwachsinnigen mit der Prinzessin Jacobe von Baden, der Frömmelnden mit dem unseligen Schicksal.

Die zweite Oper lag ebenfalls an der Düssel, im Hofgarten zwischen Ratinger-und Mühlenstraße. Händel besuchte sie. Lully, der große französische Opernkomponist bekam hier seine deutschen Uraufführungen. Es war die Hof-Oper von Kurfürst Jan Wellem. Schon sein Vater Philipp Wilhelm hatte im Hofgarten großartige Opern gefeiert. Zur Geburt seiner Kinder hatte man 10 Pferde zwei Jahre lang trainiert, damit sie "artig tanzten".

Auch die dritte Oper lag wiederum im Hofgarten: 1875 auf den Grundmauern der geschleiften Festung im "Botanischen Garten" an der heutigen Heinrich-Heine-Allee.
Jetzt ist der Altbau in die Jahre gekommen, das Dach marode, die Mauern feucht. Ein Neubau soll den großen Wurf bringen und die Kassen klingeln lassen.

Doch wohin mit dem künftigen Kultur-Palast?

Liebe Düsseldorfer, lassen wir die Oper an ihrem Standort an der vornehmsten Allee, die den Namen des Vornehmsten trägt. Sie ist Bestandteil des Hofgartens. Sie prägt und verändert ihn.
Lassen wir die Oper in der Mitte der Stadt, nicht im Wust zwischen der aufgemotzten Weizenmühle von PLANGE und dem Schnäppchenjäger TRIVAGO, auch nicht zwischen dem imposanten Fernsehturm und der durchgeknallten Affeninsel „Monkey‘s Island“.

Am Anfang war alles Oper

ein Zusammenspiel von Singen, Sprechen und Tanzen. Die italienische Renaissance hat daran wieder angeknüpft. Aus ihrer Oper entwickeln sich die einzelnen Sprech-, Sing- und Tanztheater der Gegenwart. Das Opernhaus entwickelte sich zum Kulturtempel der europäischen Metropolen.

„Mein schönster Beruf war Statist, aber nicht irgendwo, sondern an der Oper in Düsseldorf. Wann immer der Gefangenenchor in Beethovens FIDELIO in die Knie sank, tippte mir mein erfahrener Kollege in die Kniekehlen. Ich ging zu Boden und küsste die Bretter, die die Welt bedeuten, denn ich küsste die Bretter der Oper zu Düsseldorf“, erinnert sich Dieter Jaeger.

Und auch Goethe schwärmt voller Enthusiasmus:„In dieser Oper werde ich auch für Rührung sorgen (…) wonach das gemeine Publikum so sehr sich sehnt (…) Jeder Laffe und jede Läffin sind einmal zärtlich gewesen und an diesen Saiten ist gut klimpern. Um höhere Leidenschaften und Geist, Laune und Geschmack mit zu empfinden, muss man ihrer auch fähig sein, sie zu besitzen.“ (Brief an P.C.Kayser 1785)


Autor: Dieter Jaeger  |  Redaktion: Bruno Reble  |  © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de