Donnerstag, 20. Februar 2020

Medienhafen - PIER ONE

Über sieben Brücken musst Du gehen!

Es könnten auch mehr als sieben sein, zählt man die vielen Überführungen hinzu von Haus zu Haus und von Becken zu Becken. Der Düsseldorfer Medienhafen wird mehr und mehr zum Brücken Event.

Eine Pier ist dabei eine Plattform, die normalerweise als Anlegestelle für Wasserfahrzeuge dient. Und PIER ONE, das jüngste Baby vom windigen Christoph Ingenhoven, ist ein geplanter Pfahlbau im Hafenbecken am Ende der Kesselstraße. Die Verbindung zur gegenüber liegenden Weizenmühlen- und Speditionsstraße soll über neue Brücken erfolgen.

Mit zwei Mühlen fing alles an

Die ursprüngliche Brückenfamilie begann an der alten Schneidmühl (Hammer Straße / Erftplatz) und endete an der Weizenmühle von Plange, ein Markenzeichen des Hafens seit der Entstehung ab 1896. Hafen¬direktor Zimmermann favorisierte damals liquides, leicht umschlagbares Gut und das Getreide gehörte dazu.

Beide Mühlen waren einst die bekanntesten auf der Lausward. Das Sägewerk Schneidmühl aus dem 18.Jahrhundert markierte als Treidelstation das Übersetzen von links nach rechts, weil es linksrheinisch Richtung Neuss zu viele Inseln gab und weil links der unbefahrbare Prallhang begann. Die Schneidmühl gehörte den Jesuiten, was nicht viel half, denn sie wurde mehr und mehr zur Räuberhöhle. Heute sitzt hier die Räuberhöhle EIGELSTEIN, wo das falsche Bier getrunken wird.

Vom Erftplatz via Zollhof zum Ueckerplatz, Strecke im neuen Fenster s. goo.gl/maps/T8V3YoXcQtHysWy46

Rechts schaut man auf das GRAND BATEAU, das große Boot, wie es à la Titanic im Meer versinkt. Links zelebrierten Petzinka & Pink, bevor sie berühmt wurden, in großer Glashalle mongolische Bruzzeleien. Auf dem Ueckerplatz findet man Sitzbänke und Kieselbelag, was an das Kiesbett des nahen Rheins erinnern sollte. Doch damit versaute der Künstler Guenther Uecker den „High Heels Damen“ ihre Schuhe. Daraufhin ließ das Ordnungsamt den Platz kurzerhand asphaltieren, was zu geharnischten Protesten und Drohungen des Künstlers führte.

Das Ende der Posse

Die Stadt Düsseldorf knickte ein und ließ den asphaltierten Platz für teures Geld wieder verkieseln.
Das erste Haus im Medienhafen (von den Architekten Beucker / Maschlanka) bekam mit dem GATZ auch die erste Bar und das vornehme Restaurant RIVA. Später im ROOM bei Filmbällen (mit Gudrun Landgrebe) versuchte auch der Verfasser, als Klein-Dieter hinein zu gelangen. "Sorry, house music", schnarrte es am Eingang. Antwort: "Ich spiele Blockflöte!" Amüsant, aber nix zu machen.

Kaistr.16: Der teure BERENS AM KAI ärgerte sich über den abfälligen Namen "Kunstsilo". Sah allerdings genauso aus. Da half auch nicht der berühmte Architekt David Chipperfield mit seinem Bürohaus aus Waschbeton und Immendorffs Bronze-Skulptur „Hans Albers mit der Zieh-Harmonika“.
Bei der ersten Brücke, der LIVING BRIDGE dachte man wohl auch an den PONTE VECCHIO in Florenz oder PONT NEUF von Paris. Ja, darunter machen wir es nicht und ein Haus mit dem schönen Namen LIDO:

Für Verliebte nachts ein Paradies

Die Brücke führte 2003 zur Sensation MONKEY ISLAND: 4 Euro Eintritt, der Cafe 3,50. Aber dafür gab es hübsche Mütter mit Babys und Sandburgen, Sylter Strandkörbe, ein Affendenkmal und Bob Marley sang seine Lieder. MONKEY ISLAND musste später dem HYATT Hotel weichen, lebte lange weiter am Graf Adolf Platz.

Ein ziemlich unbekannter Architekt Holger Rübsamen bekam 1990 den 1. Preis, weil er die Speditionsstraße nach Westen abschloss: bis hierhin und nicht weiter. Den Vogel abgeschossen hat allerdings das Architekturbüro Petzinka Pink und Partner. Petzinka plante zwei Wohntürme mit dem schönen Namen "Königskinder" und begehrlichen Durchblicken nach Westen zur Kessel -und Weizenmühlenstraße. Die königliche Namensgebung war gestützt von zwei Skulpturen des Künstler Markus Lüpertz, die auf dem Dach der Hochhäuser stehen sollen. Ihr Schicksal ist noch offen. Vielleicht droht den "Königskindern" des Hafens das gleiche Schicksal wie den Protagonisten der Volksballade: „sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief“ und letztendlich scheiterten sie mit ihrem Versuch, die Hindernisse zu überbrücken.

Weiter, immer weiter

PIER ONE verbindet Speditions-, Kessel- und Weizenmühlenstraße. Weil die Kesselstraße zu kurz ist, muss ein Pfahlbau her und für die Schiffe wird es eine Drehbrücke geben.

Ich setze mich noch einmal am Erftplatz auf die Terrasse von HANS IM GLÜCK. Als er noch OP DE ECK hieß, hatte der Besitzer Schiffsdeckstühle aufgestellt. Es war 1980 und es gab noch keinen Medienhafen. Hier konnte man im Liegen wunderbaren Café genießen, in der Nase den Öl Geruch des schmutzigen Industriehafens spüren und im Hintergrund, ganz weit im Westen, die Sonne, wie sie unterging:

Das Leben ist schön!

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Autor: Dieter Jaeger  /  Redaktion: Bruno Reble  /  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf 2020

Sonntag, 26. Januar 2020

McDonalds und die Sünde in der Graf Adolf Straße

Ein alter Witz feiert fröhliche Urstände: „Hey, wo geht’s denn hier nach Mäkkes?“ fragt ein Türke einen Passanten und dieser verbessert oberlehrerhaft. Es heißt „… zu Mäkkes!“ „Wie? Mäkkes zu?“

Und in der Tat. Zum Jahresbeginn 2020 macht er zu: Düsseldorfs ältester McDonalds an der Graf-Adolf-56/ Ecke Oststraße. Keine Dankesworte an die Stammkundschaft, keine Abschiedsparty mit Ronald McDonalds, nur ein schnöder Zettel an der Eingangstür „Wir schließen“.

Über die Gründe kann man nur mutmaßen: Das Haus steht leer und ist verwahrlost, im Keller hat sich Ungeziefer eingenistet und die Kontrolleure vom Amt für Verbraucherschutz waren zuletzt Stammgäste.

Eine Epoche geht zu Ende

Gemeint ist die Epoche der Kinematographie. Denn McDonalds war der Treffpunkt der Kinofreunde inmitten von 16 Filmtheatern. Bei der Eröffnung 1973 ist zwar der Höhepunkt schon überschritten, aber die meisten Kinos waren noch da.

Dann kam die Tele-Vision. Schon der erste Fernseher (1953 in einem Radiogeschäft gegenüber) war der Totengräber. Dieter Jaeger erinnert sich: „Auch ich stand im Pulk vor dem Laden. Zu Hause gab es nur Radio. Meine "Tagesschau" war "Fox Tönende Wochenschau" und meine ersten "Laufenden Bilder" liefen im Kino.

Auferstanden aus Ruinen

In den Nachkriegs-Trümmern entstand das Kino quasi neu - 50 Jahre nach seiner Erfindung. Hier an den alten Orten mit den schmalen Grundstücken entstand eine neue Achse. Sie führte entlang der Schienen vom alten Bahnhof an der Kö/Bahnstraße zum neuen Hauptbahnhof. Ab 1891 wurden die alten Gleise Zug um Zug still gelegt und zur Straße ausgebaut.

An der Ecke Kö, wo die Graf-Adolf-Straße beginnt, war das "Cafe Corso", weiter Graf Adolf-20 seit 1913 das „Residenz-Theater“ (Wilhelm Kreis baut 1925 die berühmte Eingangshalle); Ecke Oststraße das Cafe "Palais", aus dem 1928 der EuropaPALAST entsteht. Weiter ging es nicht, weil bis zur Charlottenstraße die Industrie saß.
1898 eröffnet an der Graf Adolf-40/44 ein „Arabisches Cafe“ mit Kinematoskop für »lebende Photographien«, später Panoptikum mit „Folterkammer“ und 10 Min Filmen („Kurzes Glück - lange Reue“)
Andere Straßenseite: Graf-Adolf-69: Film-Casino „Starlight“ seit 1907, heute: Pornokino Müller Sex
Graf-Adolf-38: „Asta Nielsen“ seit 1911
Nach dem Krieg: Graf-Adolf-83 „Die Kamera“ seit 1950, „Ali“ im Hauptbahnhof seit 1954, Graf-Adolf-92 „City“ seit 1957, Graf-Adolf-47 „Savoy“ seit 1958, Berliner Allee 46 „Berolina“ seit 1957, ferner Apollo, Lupe, Linse, Rex, Universum, Neues Europa (Intim, Palette) und wie sie alle hießen.
Quelle: www.allekinos.com/DUESSELDORF.htm

Kommen wir jetzt zu den Inhalten: Für uns "Halbstarke" der 50iger war Sex das wichtigste Thema. Sex stand gleichbedeutend für Sünde. Man hätte jemand ausrauben oder umbringen können, das war keine richtige Sünde. Die wahre Sünde war nur der Sex, manifestiert durch den legendären Film von 1951: Hildegard Knef „Die Sünderin". Das Stichwort "Sittenfilm" elektrisierte uns.

Lange vor (BB) Brigitte Bardot und (CC) Claudia Cardinale hießen unsere Göttinnen der 50iger Jahre Martine Carol und Francoise Arnoul. Die Filme der Französinnen waren eine Stufe höher als die halbnackte Jane (Maureen O‘Sullivan), die mit Tarzan (alias Weltmeister Johnny Weissmüller) ins Wasser sprang. Auch hatten die französischen Filme nichts zu tun mit den späteren plumpen Sexklamotten der 80iger, als der Film ums Überleben kämpfte. Es gab Schachtelkinos, Programmkinos, Raucher-, Restaurants-, Bar-, Intim Kinos, Drive Ins bis zum Schluss alles im Porno versank. All dies spielte rund um die Graf-Adolf-Straße.

McDonalds war der Mittelpunkt

Das Haus hatte der Gastro-Dynastie Tigges gehört, die drei berühmte Orte besaß: 1907 "Tigges am Bilker Bahnhof", 1936 "Tigges am Brückchen" (heute: Dresdener Bank an der Benrather Brücke) und 1938 "Tigges am Türmchen", Graf-Adolf-Straße.

Heinrich Spoerl hat der Familie ein Denkmal gesetzt. In seinem 1936 erschienenen Roman „Der Maulkorb" beginnt er: "Kleine Städte sind wie kleine Kinder, sie werden zeitig zu Bett geschickt. Der Uerige, wo Fuhrleute und Regierungsräte im Stehen ihr Obergäriges trinken, hatte schon zu gemacht. Auch die Canon entließ ihre letzten Gäste. Am Marktplatz stand noch ein Lichtspalt. Er kam aus der Weinstube TIGGES am TREPPCHEN, wo man wie gewöhnlich Überstunden machte... Polizei-Sergeant Drahtschnauz machte seine Runde."

Der Dukatenscheißer lässt grüßen

McDonalds und das ganze Eckhaus stehen jetzt leer. Auf dem Turm in der goldenen Wetterfahne ist noch das „T“ erhalten (wie Tigges) und schöne Bauplastiken von Handwerksberufen, darunter "Der Dukatenscheißer". Diese Plastik hat wahrscheinlich den berühmten "Dukatenscheißer" von der Wibbelgasse inspiriert.

Und jetzt Abriss, weil ein Neubau mehr Profit bringt als eine Renovierung? Man sollte den Dukaten scheißenden Investoren einen Strich durch die Rechnung machen. Statt Ärztehaus oder Bürozentrale für einen Großkonzern, könnte man auch ein Museum daraus machen, ein Museum der Geschichte der Kinematographie in Düsseldorf.
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Autor: Dieter Jaeger  /  Redaktion: Bruno Reble  /  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf 2020

Samstag, 28. Dezember 2019

Neue U-Bahnen – fake news oder doppelzüngige Wende?

Natürlich ist die U-Bahn in Düsseldorf keine richtige U-Bahn, sondern nur eine abgeänderte, oben fahrende Straßenbahn, also eine Mogelpackung, denn nur ein winziger Teil fährt unterirdisch.

"Sie und Ihre Straßenbahn gehören unter die Erde!"

sagte ein Autonarr 1960 zum Rheinbahnchef Rebbelmund. Und das ist noch nicht so lange her.
Jetzt soll sie also weiter unter die Erde ab 2020 und kein fake mehr, denn es gab schon zu viel Unsinn.

Eigentlich war 2016 Schluss

Aber wohlweißlich hatte man neue Projekte in der Hinterhand: die Linie 83 steht bereit; andere sind im Reifeprozess:
•    80: Messegeschichten bis Reeser Platz
•    81: die große Nummer: vom Handweiser in Heerdt über Flughafen nach Ratingen
•    82: eine Hilfslinie der 81
Hinzu kommen noch Tunnelverlängerungen U78 und U79 (Kennedydamm bis Reeser Platz)

Damals (2016) wie heute (2019) geschieht fast alles im Norden oder linksrheinisch (U70, 74, 75, 76, 77), ferner rechtsrheinisch Nord (U71, 72, 73, 78, 79)

Der Süden war eher eine Art Nord-Verlängerung

Dabei wollte man im Süden 1973 anfangen. Stattdessen kommt der Norden mit der Fischerstraße zum Zug. Und aus Trotz wird wohl die älteste und erste Bahn mit der damals letzten Nummer 79 versehen, während die jüngste 2016 die Nr. 71 bekommt.

Nord- Süd: ist das alles nur Zufall?

Hier ein kurzer Rückblick: 2016 der große Umbau der Rheinbahn: 11 U-Bahnen und 7 Straßenbahnen. Der Norden behält - wie gewohnt - seine Linien; im Süden beginnt das Chaos.
Vorbei die „Glorreiche 1“, sobald sie den Süden erreicht; vorbei die „Getreue 8“. Die „Arme 4“ hatte mit dem Knast zu tun, jetzt mit der Uni. Vorbei die „Geniale 6“; vorbei die „Gelbe 7“, denn die Bahnen hatten bis 1930 Farben. Die „Vergessene 5“ kommt neu hervor. Allein die „9“ fährt noch ihre große Bahn.

Immerhin:  Die Studenten sausen jetzt mit neuen U-Bahnen von Uni zu Uni und Kappes Hamm im Süden hat zum ersten Mal einen richtigen Bus.

Man kann es auch anders sehen

Es geht um Geld, viel Geld! Im Klimaschutzpaket hat die Bundesregierung die Absicht erklärt, den öffent-lichen Nahverkehr attraktiver zu machen und will dafür von 2020 bis 2023 über 1 Milliarde EURO in die Taschen der Kommunen rieseln lassen, wenn diese ihre Stadt- und U-Bahnen sanieren und ausbauen.

Also nix wie ran an die Geldtöpfe! Aber was bringt es den Bürgern, wenn eine funktionierende oberirdische Linie für viel Geld unter die Erde verlegt wird? Wäre es für den Klimaschutz nicht besser, ganz neue Bahn-linien zu planen, um so einen Teil der gigantischen Pendlerströme rund um Düsseldorf vom Auto auf die Schiene zu verlagern?

Autor: Dieter Jaeger  /  Redaktion: Bruno Reble  /  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf 2019

Donnerstag, 21. November 2019

Ein Arztbesuch in der Schadowstraße

"Und?" fragte ich. "Muss!", sagte mein Nachbar. Wir fuhren los.

Schadowstraße: schwierig

Vielleicht kommt man von hinten rein. Tonhalle, Liesegang, Wagner: "Sie können hier nicht parken"; Einbahnstraße, Drehen, Klosterstraße: "Sie können hier nicht parken" Tunnel, Jacobi, Goltstein „Nichts“; letzter Versuch: Thyssen, Schauspielhaus, Bleichstraße. Ein Parkhaus! "Wie heißt die Straße hier?"

"Nix Name, Hinterhof!"

Ein Türke hilft: Hinterhof-Parkhaus, abrissbereit, sehr eng: Seitenspiegel weg.
"Und?" grinst der Nachbar. "Muss!" sage ich.
Ich humple zur Praxis: Abrissbirne, Schmutz, Lärm; Klingel kaputt, Aufzug kaputt. Oben viele junge Damen in Weiß. "Sind Sie der Doktor?"
"Nächste Tür, ohne Doktor, sagen Sie einfach Herr G."

"Herr Doktor: Sie leben im Chaos"

Die Schadowstraße war mal unsere wichtigste Straße, die Reichsstraße 1. Von hier ging es nach Königsberg und Nowgorod. Herr G. schaut mich verständnislos an. Er kommt aus Nowgorod.

Herr G. hat es eilig, Herr G. ist verschwunden. "Sind Sie der andere Doktor?" "Sie müssen wiederkommen, heute ist der Teufel los."
Schadowstraße, Schutthalde, Riesenbagger, hier ist der Teufel. Hier shoppen immer noch viele Menschen, sie würden auch in der Hölle shoppen.

Ich humple zum Hinterhof, die Sonne blendet mich. Ich schließe die Augen. Und jetzt seh ich sie alle vor mir, hier im elenden Parkhaus:
Schadow, genau hier, der junge Mendelsohn Bartholdy, später die Achenbachs, Lessing, Hübner, Schirmer, Hildebrand, Hasenclever, Sohn, da war später der Ibachsaal mit den Größen der Musik, daneben das Friedrichsbad: Düsseldorfs erstes Wellnes Center, die erste Sauna. Gegenüber die Tonhalle; Lassalle schlich hier herum auf der Suche nach einer neuen Liebschaft.

"Ach je - auf der Seufzer Allee"

Goltstein Straße. Wir fahren nach Hause. "Und?" frage ich. "Muss!", sagt mein Nachbar.


Autor: Dieter Jaeger  /  Redaktion: Bruno Reble  /  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf 2019


Samstag, 12. Oktober 2019

Moskau oder Tetelberg? Das ist die Frage!

Aber wo zum Teufel liegt der Tetelberg?


Wer weiß denn sowas? Wir sollten es aber wissen, wenn die Bürger entscheiden sollen, wohin das neue technische Rathaus kommt.

Die meisten favorisieren die Moskauer Straße: Hauptbahnhof, Kölner Straße, zig Bahnen und Busse, klarer Fall. Aber Tetelberg? Nie gehört!

Moskauer Straße heißt aber auch Bahnhof, Worringer Platz, Lärm, Drogenszene. Schon die Juristen wollten nicht zum Oberbilker Markt, auch wenn er jetzt Puschkin-Platz heißt. Der Oberbilker Park ist eine öde, künstliche Wiedergutmachungs¬maßnahme; schrecklich wie dieses Wort.

Der geplante Vorgängerbau vom technischen Rathaus sollte ein Turm werden mit dem Namen "M" (vielleicht wie Moskau?) Die alten Düsseldorfer erinnern sich an etwas Anderes. "M" hieß der Mörderfilm mit Gustaf Gründgens und Peter Lorre, der 1932 gedreht wurde und dem Düsseldorfer Serienkiller Peter Kürten galt. Der "Vampir von Düsseldorf" hatte 1929 neun Menschen bestialisch umgebracht. Ein makabrer Scherz: Kürten wohnte keine 200 m entfernt vom geplanten "M" Turm. Der Plan wurde aufgegeben.

Das Herz schlägt in Bilk


Der Tetelberg ist das Herz von Bilk, ein gewichtiger Grund, sich hier niederzulassen. Die älteste Kirche von Düsseldorf steht auf dem Tetelberg. Die Sternwarte stand dort, mit der Robert Luther die "Düsseldorfer Planeten" entdeckte und somit unsere Stadt weltweit bekannt machte.

"Düsseldorf bei Bilk" müsste es eigentlich heißen, denn Bilk hatte in religiösen und juristischen Dingen lange Zeit die Nase vorn und wurde urkundlich 300 Jahre früher erwähnt, als das Fischerdorf an der Düssel.

Die "Berge" von Düsseldorf sind vom Rhein geschaffene Anhöhen auf der sonst flachen Niederterrasse, dem früheren Flussbett des Rheins. Unsere Vorfahren siedelten auf diesen Bergen in der bedrohlichen Nähe zum großen Fluss. Bilk ist daher die Keimzelle von Düsseldorf an der Mitte des Baches auf dem vornehmsten Berg, dem Tetelberg.

Autor: Dieter Jaeger  /  Redaktion: Bruno Reble  /  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf 2019

Freitag, 23. August 2019

Als die Kö noch Kastanienallee hieß

Der Düsseldorfer Geschichtsverein von 1880 e.V. räumt mit angeblichen Legenden auf und stellt die Frage, ob der Pferdemist im August 1848 echt war, der dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV bei seinem Besuch in Düsseldorf von empörten Bürgern entgegen geschleudert wurde.
Oder handelt es sich vielleicht um eine Legende, denn in den Rats- und Polizeiprotokollen aus dem Jahr 1848 findet sich kein Wort über diesen Skandal; mehr... rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/neues-jahrbuch-des-geschichtsvereins-duesseldorf-2019_aid-44830861

Bruno Reble schrieb daufhin am 09.08.2019 einen Leserbrief im Namen der Geschichtswerkstatt:

Natürlich gibt es über diesen Vorfall keine amtlichen Belege, denn der preußische Polizeistaat wollte den Unmut der Bürger unter allen Umständen totschweigen und die Presse war durch Zensur geknebelt und gefesselt.

Auch bei der "Wiedergutmachunng" nach 1852 gibt es wenig Quellenmaterial. Aber müssen wir heute darüber debattieren, ob die Friedrichstraße (wie auf dem Straßenschild behauptet) nach dem damaligen Friedrich Wilhelm IV benannt wurde oder vielleicht eher nach Friedrich II (gerne auch als der Große tituliert)?

Geschichtsschreibung sollte aus Sicht des Volkes die Zusammenhänge erklären und für einen klaren Standpunkt sorgen. Wem nützt es, wenn wir uns in unproduktiven Kontroversen verzetteln um des Kaisers Bart?

Samstag, 27. Juli 2019

Wenn der Leu(wer) sich auf die Suche nach dem Leu macht


Blog von Frank Leuwer

Die Generation Ü50 kennt wahrscheinlich noch das Rheinbahn-Haus am Konrad-Adenauer-Platz. Doch hieß dieses Haus nicht immer so und verbirgt eine spannende Suche.

Gebaut wurde das Haus Anfang des 20.Jahrhunderts als Düsseldorfer Zentrale des Ludwig-Loewe-Konzerns. Ludwig Loewe, eigentlich Louis Levy war jüdischer Unternehmer und spezialisierte sich auf Feinmaschinen und Waffen. 1936 musste das Unternehmen zur Stützung des angeschlagenen AEG-Konzerns mit diesem fusionieren. 1937 war, auf Druck der Nationalsozialisten, kein jüdisches Aufsichtsratsmitglied des Loewe-Konzerns mehr im neuen Gesamt-Aufsichtsrat.  Die Düsseldorfer Zentrale wurde aufgelöst ….. aber soweit nur zur Vorgeschichte.

Das Gebäude wurde ab 1937 umfangreich saniert und mit neuster Technik ausgestattet.  Wenige Wochen vor Kriegsbeginn 1939 zog die Rheinbahn mit ihrer Hauptverwaltung vom Wehrhahn in das Gebäude was fortan den Namen „Rheinbahnhaus“ trug. Da zum einen die Rheinbahn keine Löwen im Logo und zum anderen die Erinnerung an den Loewe-Konzern getilgt werden sollte, entfernte man die 5 steinernen Löwen von der Stahlbetonfassade.
Mit Fertigstellung der neuen Firmenzentrale in Heerdt entschied man das Gebäude, welches auf Grund seine enorme Stabilität den Bombenhagel des zweiten Weltkrieges fast unbeschadet überstand, abzureißen.

Foto : Stadtarchiv Düsseldorf                            Foto: Rheinbahnarchiv

Längst vergessen stieß man in den 1980er Jahren bei Ausschachtungsarbeiten für die Zentralwerkstatt auf dem Rheinbahngelände in Heerdt auf einen Schuttberg. Darunter entdeckte man 4 der 5 Löwen von der Fassade relativ unbeschädigt. 


  
Fotos: W.Funken – Ars Publica Düsseldorf

Man entschied die Löwen wieder aufzustellen. Den ersten Löwen gleich am Betriebshof in Heerdt. Die Firmenzentrale in Oberkassel bekam gleich 2 Löwen und den 4. stellte man in Heerdt in einem Park eines Seniorenzentrums auf.
Mit dem Umzug der Firmenzentrale von Oberkassel nach Lierenfeld stellte sich für uns „alde Lierenfelder“ die Frage ob wir für unseren Stadtteil auch 2 Denkmäler aus Zugewinn bekommen könnten.

Bei einem Mitarbeiterfest der Rheinbahn wurden am 14.Juni.2019 beide Löwen auf dem Betriebsgelände in Lierenfeld festlich eingeweiht.


Fotos. Rheinbahn : Hauptverwaltung Lierenfeld        Betriebshof Heerdt






Seniorenheim Heerdt (Foto W. Funken) 

Somit können wir in 4 von 5 Fällen erfolgreich die Suche beenden.



Euer „Sherlock“ Frank