Montag, 18. August 2014

Das alte "Stadthaus" wird Hotel und Museum


An beiden Einrichtungen wird noch gearbeitet, aber die Vorspiele sind vorbei. Das hochgradig denkmal-geschützte Stadthaus in der Düsseldorfer Altstadt (Mühlenstr.31) wird zum Luxushotel „De Medici“. Das benachbarte Museum „Verfolgung und Widerstand“ wird renoviert.

Wer kennt die Ämter, nennt die Namen…

Das Hotel könnte viele Namen haben: „Zum Kloster“ oder „Zum Kurfürst“, „Zur Wache“, „Zur Kanzlei“, „Zur Sternwarte“, alle diese Funktionen  hat es inne gehabt, aber originell wäre auch: „Petit Paris“, denn in diesem Haus wurde die Formulierung „Klein-Paris“ erfunden, von einem Staatssekretär Napoleons. Aber gemeint waren nicht Chic und Charme, sondern Chaos und Schlamperei „wie in Paris“.
Die Mühlenstraße war einstmals ein Weg im breiten Wiesental der Düssel. Sie markierte das südliche Ende der ersten mittelalterlichen Stadt, der eigentlichen „Altstadt“.
Das Wiesengebiet zwischen Mühlenweg und Düssel wird früh zum größten Gebäudekomplex der Kurfürstlichen Regierung. Es beginnt mit einem Marstall und einem Komödienhaus, später entwickeln sich Reitplatz und Tummelhaus (Reitschule), auch Oper und Statthalterresidenz.
Dann kommen die Jesuiten. Sie erwerben zwischen Mühlenstraße, Mertensgasse und Stadtmauer ein Riesengrundstück und bauen darauf ihre Andreaskirche und ihr Kloster (ab 1622), einschließlich Gymnasium. Auf dem Dach wird sogar eine Sternwarte errichtet, die auf den Rektor des Jesuitenkollegs, den Mathematiker Pater Ferdinand Orban, zurückgeht, ein Beichtvater Jan Wellems. Berühmt wird die Düsseldorfer Sternwarte allerdings erst durch den Astronomen Johann Friedrich Benzenberg, der sie 1842 nach Bilk holt. 1773 wird der Jesuiten-Orden aufgelöst, die Schule kommt zu den Franziskanern in die Schulstraße.
Das Gebäude wird 1788 zur Kurfürstlichen Kanzlei, 1824 zur Preußisch Königlichen Regierung, umgebaut nach Plänen des berühmten Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel.
1889-91 wird der Schinkel Bau an der Mühlenstraße um einen Anbau erweitert (Andreasstr.2-4). Der gesamte Komplex besitzt jetzt drei Innenhöfe. Daneben hält sich nur noch Prinz Karneval Oxenfort mit seiner „Tante Anna“ und die Pennälerkneipe „Zwiebel“.
1926-33 ist der westliche Anbau Polizeipräsidium, dann Hauptmeldestelle der Polizei. 1939 werden große Luftschutzkeller gebaut, die bald als Zellen und Folterräume der Nazis genutzt werden. Folgerichtig  entsteht hier 1986 das Museum „Verfolgung und Widerstand“.
1946 benutzt die Stadtverwaltung das gesamte Haus, weil fast alle anderen noch halbfesten Häuser von den Briten beschlagnahmt worden waren. Erst jetzt bürgert sich der Name „Stadthaus“ ein.
Goltstein, Hompesch, Murat, Beugnot, Nesselrode, Gruner, Napoleon: fast alle berühmten Männer um 1800 saßen in dem alten Jesuitenbau. Die Franzosen nutzen heute den Innenhof gerne für ihren „14.Juli“, weil in der Franzosenzeit meist von hier regiert wurde.
Fazit: Wichtigstes größtes Kloster der Stadt, einziges Gymnasium, Kanzlei, Regierung, Sternwarte, Polizei und Kerker, Stadtverwaltung, Luxus-Hotel. Was für ein Haus!

Wunder passieren immer wieder

Die beiden letzten Jesuiten im Gespräch. Der eine hat ein Zehngroschenstück in der Hosentasche gefunden. „Mirakel sähste daför“, denn er wisse genau, dass er keinen Pfennig  besaß; worauf der andere: „Dat es en schön Mirakel, du häst ming Butz aan“.
Autor: Dieter Jaeger  |  Redaktion: Bruno Reble  |  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf