Mittwoch, 3. August 2011

"Toulouser Allee - Klein Paris hat endlich sein französisches Viertel" von Dieter Jaeger

Jetzt kann man sie (noch etwas holprig) entlang fahren, die Hauptstraße des quartiers central, vom Wehrhahn bis zur Münsterbrücke

Hat lange gedauert, bis „Klein Paris“ eine französische Ecke bekommt Außer ein paar Schlachtfeldern im Militärviertel Derendorf und der Pariser Straße in Heerdt( angeblich fuhr hier die gestohlene Quadriga von Paris nach Hause) gab es nichts. Den Boulevard Napoleon (Heine Allee) gewiss, aber das ist lange her. Dabei waren wir fast eine französische Stadt (mit der Unterbrechung 1801-1805) von 1795 bis 1813, schließlich Hauptstadt sogar eines eher französischen als deutschen Staates „Grand Duche de Berg“.

Ab 2000 sprach man von einem Trödelmarkt im Güterbahnhof Derendorf (eine große Glashalle) als „Les Halles“, was im Düsseldorfer Slang liebevoll zu „Läsalles“ verwandelt wurde. Seit dieser Zeit wollte man hier etwas Französisches haben. Wenig später kam der Begriff „quartier central“ auf  für die neue „Dreibrückenstadt“ auf dem Terrain des ehemaligen Güterbahnhofs. Jetzt ist dort allerhand „Fronkreich“ vertreten: Ravelstr, Chagallstr, Pasteurstr, Toulousestr: seit 2003 gibt es Kooperationsabkommen mit Toulouse.  Stadtviertel heißen Ile, Flair, Quartis Les Halles, wobei neue Fronkreich Schöpfungen entstehen, die in keinem Wörterbuch zu finden sind: quartis z.B. oder flair, was eigentlich nur Hundeschnauze und deren Witterung meint

1845 fuhr durch die versumpfte Fläche zwischen Pempelfort und Düsselthal die Eisenbahn,
noch früher nahm man die Kutsche über Mönchweg(heutige Herder-Wieland) oder Düsselthaler Weg (heutige Rethel), auf einem Horrortrip zu den Trappisten im Kloster Düsselthal. Kein Tourist ließ sich das entgehen.

In ihren braunen Kutten wurden sie ohne Sarg in die feuchtkalte Erde gelegt, kein Kreuz rief ihren Namen, keine Blume durfte blühen, wo ihre Leiber vergingen. „Auf seinem Gesicht war die Leere des Gedächtnisses, die Armut des Ideenvorraths unverkennbar.“,  “Diese finstersten aller Klostermauern“, „Ein Strohsack, ein Totenkopf, ein Grabscheit, eine Hacke“,  so die Reisebeschreibungen berühmter Geister wie Georg Forster, der Weltumsegler(1791), Karl August Varnhagen von Ense, der Schriftsteller(1794), oder Aloys Wilhelm Schreiber, der Literaturprofessor und Vorgänger des Karl Baedeker (1795).

1845 wurde endlich die seit den 30iger Jahren umkämpfte Idee einer Bahnverbindung Rhein- Weser mit der „Cölln Mindener Gesellschaft“ begonnen. Als die beiden Bögen des Kopfbahnhofs vom Graf Adolf Platz 1863 verbunden werden(am Wehrhahn mündete die Verbindungsbahn) wurde es hier intensiv. Als die „Rheinische Bahn“( seit 1841 linksrheinisch tätig) ihren Wehrhahnbhf 1876 an die Rethelstr setzt, ist hier der Teufel los. Sie ging übrigens gleich hinter der Buschermühle wieder zurück zur Strecke am Bergfuß(heute die kerzengerade Franziskusstraße).

1876 wird die erste Brücke gebaut (Wehrhahn), der Düsselthaler Weg geht noch mit Schlagbaum über die Gleise, hier wird dann 1889 die Franklinbrücke und der neue Bahnhof Derendorf entstehen.

Seit 1885 Verstaatlichung der drei Bahnen (Bergisch Märkische, Cölln Mindener , Rheinische) und Umbau der Stadt mit HBf und den beiden Bahnhöfen  Süd(Bilk) und Nord(Derendorf) mit gewaltigem Rangierbahnhof.

Die Toulouser Allee oder „Entlastungsstraße“ (die Gegner schimpfen „Stadtautobahn“) liegt umrahmt von 8m hohen Schallwänden. Statt der alten „Ablaufberge“ der Güterzüge jetzt sanft ansteigende grüne Hänge.

Statt der „Galgengasse“ zum Schillerplatz jetzt „Bar Olio“ und „Cafe Halles“

Aber die Nutten von der Rethelstraße sind geblieben, wie die Urnutten von der Straße Saint Denis neben Les Halles in Paris.

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