Montag, 27. April 2020

"Lebende Bilder" oder „au naturel“… frei nach Schadow


In diesen trüben Zeiten gibt es auch Erhellendes: "Lieblingsgemälde nachgestellt" so heißt es in der Rheinischen Post vom 21.04.20…
https://rp-online.de/kultur/museums-challenge-zu-nachgestellter-kunst_aid-50128181

Diese "Lebenden Bilder" haben in Düsseldorf eine lange Tradition. Erfunden wurden sie wohl in Frankreich gegen Ende des 18ten Jahrhunderts.

Die Düsseldorfer Malerschule pflegte das Spiel mit lebenden Personen besonders intensiv. Berühmt wurden die "tableaux vivants" 1877 bei den Theater-Aufführungen im Malkasten-Park. Hoher Besuch hatte sich angekündigt, der Kaiser himself. Jahre später kamen auch erotische Spielereien hinzu.

Nackte Frauen nur in gebannter Bewegung

Schon lange war man gewohnt, auf Gemälden nackte Körper zu sehen. Jetzt waren diese Körper echte Menschen. In den prüden Zeiten unserer Großeltern war das schon allerhand. Nackte Frauen durften allerdings nur in Denkmal Pose auftreten. Bewegungen waren nicht erlaubt.

In den Anfangsjahren der Düsseldorfer Akademie unter Schadow lebte hier im Zusammensein zwischen Malern, Literaten und Musikern ein lustiges Völkchen von später sehr berühmten Leuten. Rellstab, ein bekannter Journalist jener Zeit, nannte Düsseldorf in Anspielung auf die Kunst, ein "zweites Rom".

Kunst ist immer Chef-Sache

Immermann war Chef des Theaters, Mendelsohn Chef der Musik, Schadow Chef der Kunst. Die Akademie, die wohl berühmteste Düsseldorfer Institution des 19ten Jahrhunderts, tagte bis zur Errichtung der neuen Akademie 1875 im Alten Schloss. Vom Schloss über die Akademie bis zum Mal-kasten zog ein Heer von Künstlern ihren Weg über Ratinger - Jägerhofstraße- Malkasten. Berühmte Treffpunkte waren: Hansens Penn und Villa Nuova (oft auch ihre Wohnungen). Wilhelm Busch war nur ein kurzzeitiger Gast, andere blieben länger.

Feucht und moderig

Dabei hatte Anselm Feuerbach zunehmend Probleme mit Schadow und Düsseldorf, Zitat: "Mit fröstelndem Unbehagen betrat ich die hässlichen Räume der Akademie. Außer dem gewöhnlichen Geruch, der allen öffentlichen Anstalten eigen ist, war hier noch etwas Besonderes, Feuchtes, Modriges." Es war „der water closet“ (WC), hier im Schloss als einem der ersten Häuser in Düsseldorf installiert.

Auch ich (D.J.) habe heute "ein fröstelndes Unbehagen", wenn ich das Pissoir am Burgplatz betrete. Ausgerechnet im renommiertesten Gebäude der Stadt, dem Schloss mit der einst weltberühmten Gemäldesammlung, befindet sich eine öffentliche Bedürfnisanstalt.

Als 1833 zum Empfang des Kronprinzen, dem späteren „Pferdeapfelkönig“ Friedrich Wilhelm IV, im Theater am Marktplatz das Stück "Dürer" gegeben wurde, gab es bei der Vorbereitung große Aufregung. Immermann hatte das Stück geschrieben und spielte selbst die Hauptrolle. Schadow war für die Ausstattung zuständig, unter anderem auch für die" tableaux vivants".

Geiz ist geil

Schadow, eher geizig als sparsam, hatte eine geniale Idee. Immermann berichtet: "Er ließ in den "Lebenden Bildern" für die Personen, die „en profil“ standen, nur halbe Gewänder und Mäntel machen. Dadurch waren sie auf der Bühne für die gestrengen Besucher sittsam bekleidet, aber auf der dem Publikum abgekehrten Seite standen sie " au naturel".

Autor: Dieter Jaeger  /  Redaktion: Bruno Reble  /  © Geschichtswerkstatt Düsseldorf 2020

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