Montag, 4. Juli 2011

!Whisky oder Killepitsch die neue Plockbrücke über die Völklingerstr." - von Dieter Jaeger

Schnitzler, der  Uerige Baas, will eine Whiskyfabrik im Medienhafen quasi dem Killepitsch gegenüber. Er braucht Platz an der Holzstraße und will im Tausch sein Grundstück abgeben, das der neuen Plockbrücke noch fehlt.

Das Nadelöhr Plockstraße, d.h. der Zugang zum Hafen durch heiliges Hamm Land, war von Anfang an eins der Hauptprobleme des Hafens gewesen. Karl Plock, der erste Mann des Hafens (er war der Architekt), bekam als letzter seine Straße, aber die Probleme waren nicht gelöst.

Im eleganten Bogen werden nun (2011) Plock- und Völklingerstrasse verbunden.

Die Völklingerstrasse hat eine interessante Geschichte Es gibt sie erst seit Gründung des Südfriedhofs 1904, dann mit breiter Platanenallee 1927 seit der Anbindung an die Südbrücke.

Jan Wellem hatte seine „Neustadt“ bis zum heutigen Stadttor(Hafen) geplant. Der gekrümmte „Lahnweg“ mit den einfachen Reihenhäusern gibt bis heute genau die südlichste Bastionsspitze wieder. An der Hauptstrasse, der Neusserstasse, lag seit 1709 die erste Synagoge. Daraus wird 1773 das Hubertusstift,  1800 das erste Krankenhaus (all dies: Neusserstr 25, heute noch zu sehen). Gegenüber plante Jan Wellem sein neues Schloss, es reichte nur für die große Cavalleriekaserne der Husaren von 1820 (heute Polizeipräsidium).

Wo der Knick in der Neusserstr ist (Tellstr), verließ man Jan Wellems Neustadt, entweder links zur Loretokapelle (heute Bilker Dom) oder rechts über die „Dorfstrasse“ nach Hamm („Brückenstr“ seit der Hammer Eisenbahnbrücke 1870). Auf dem Weg nach Hamm baute JW die Schneidemühle (wo heute die Killepitschfabrik steht), ein Sägewerk, später einsame Verbrecherbude und  Viehstall der Jesuiten, die für die Loretokapelle verantwortlich waren. Sie saßen im Jesuitenhof (heute Kneipe „Frida“ gegenüber Bilker Dom). Sie besaßen den großen Mühlenweiher der Düssel mit Forellenzucht (heute Weiherstrasse). Ihnen gehörte auch die jetzt noch bestehende Jan Wellem Kapelle an der Fährstraße( 1668 zum Gedenken an JW Geburt gestiftet). Von hier aus ging man in 7 „Fußfällen“ zur Lambertuskirche (3km: genau die Strecke, die Jesus vom Herodespalast bis Golgatha ging). Zwei der sieben Stationen gibt es heute noch am Kapellweg(neben dem Hochsicherheitsknast). Der Kapellweg verlief bis zur Brückenstr, dann Neusserstr- Berger Allee-Altstdt.

Auf dem Weg nach Hamm kam beim heutigen UCI Kino eine kleine Insel ( Carl Theodorinsel),  dahinter die große Lauswardinsel. Erst hinter dem Inselgewirr konnten die Treidelschiffer vom linken Heerdtufer auf die rechtsrheinische Hammseite rüber.  Die beiden Inseln werden 1836 verkauft.  Freiherr von Diergard aus Haus Roland (Grafenberg) eröffnet 1860 auf der Lausward in englischer Mode eine Pferderennbahn.

Zurück zur Neusserstr: Die Rückseite: Hubertusgasse, heute Moselstr, grenzte direkt an den Rhein. Der Hafen von 1896 ist also mit den ersten drei Becken(Fernsehturm im ersten Becken) direkt in den Rhein hinein gebaut worden, der hier enorm breit war. Buhnen und Wellenbrecher in der gefährlichen Kurve besänftigten die rasante Strömung. An der Ecke Hubertusstr(später Gewerkschaftshaus) gab es eine sittsame „Zellenbadeanstalt“, in der Damen, zugeknöpft bis oben, unbeobachtet, ihre nackten Füße baden konnten. Zwischen Moselstr. und Brückenstr. lag „die wahre Höhle des Jammers“: die Irrenanstalt von 1826, die vom Hubertusstift Neusserstr. 25 hierhin verlegt wurde. Daraus wird sehr viel später das Studiengebäude der VHS und heute das Stadttor.

Die Eisenbahn von 1870 zur Hammer Brücke verlief auf der Haroldstr. bis zum Rhein, dann ein Knick und kerzengerade auf die Brücke zu. Sie schafft neben der alten „Brückenstr“ eine neue „Uferstrasse“, heute Stromstr.  Die „Kampfsche Windmühle“ lag Ecke Fürstenwall/ Neusserstr. Aus ihr entstehen mehrere Dampfmühlen und  eine Reihe von Industrien, am größten die Kammgarnspinnerei Bockmöhl in der Lippestr. hinter der heutigen „Curry“ Kneipe, mit 120 weiblichen Beschäftigten. Um sie wurde in der „Sööße Eck“, Ritterstr, heiß gekämpft.

Die „VÖLKLINGER“ Straße startete zunächst als Hafenzufahrt (Völklingen: berühmter Erzbinnenhafen), dann wird sie 1904 Friedhofstr  und schließlich  1927 als enorm verbreiterte Platanenallee südlicher „Zubringer“ zur Autobahn. Mehrer Straßen verschwanden: Emscherstr. (heute teilweise: Siegstr.), Holterweg am Kohlweg(zwei Höfe stehen noch quer in der Flur), am Haselbusch: jetzt Hochsicherheitstrakt (ein verlassenes Geisterhaus steht noch).

Die Völklingerstr.(Nord) entstand auf der Trasse des „Bilker Damms“, eines damals berühmten Deiches

.Alle Rheinschutzdeiche liegen im Süden, denn von hier kam die Gefahr. Der Stoffeler Damm schloss nahtlos an den Aderdeich an (beide sind noch da). Die Doppelstraße Volmerswerther- und Fleherstr. zog sich auf einer Hügelkette hin (Tetelberg, Schwarze Berge, Gantenberg), bot also  einen natürlichen Schutz. Das ungeschützte  gefährdete Gebiet lag zwischen jetzigem Mr Wash und Stadttor. Also schuf man hier 1850 den Bilker Damm.

Die heutige Völklingerstr (Nord) ist der alte Bilker Damm

Als der Rheinufertunnel gebaut wurde, floß der Verkehr der B1, also der Rheinuferstr,  auf Stelzen am Landtag vorbei zur Völklingerstr. Wir gingen zur Lieblingskneipe „Nana“ (heute „Curry“, Stromstr) unter den Stelzen über wüstes Land, Unkrautwiesen, hässlicher  nur noch durch  das Mannesmann Parkhaus an der Moselstr. Die Sprengung der Stelzenstrasse 1986 war eine kleine Sensation.

Als alles zu Ende war, als der alte Hafen starb, wurde noch einmal richtig auf die Pauke gehaun.

Im verlotterten Ziegelbau des alten Zollhofs gab es sexy Modeschauen, im Aquarium von Maassen zitterten die Fische. Am schönsten war es in der Ruine der Kammgarnspinnerei in der Lippestrasse. Ein französischer Zirkus „Die sieben Sinne „ lud ein.  Wir schlürften Sekt aus wunderschönen Bauchnabeln, wir lauschten Posaunen und Trompeten, wir gingen ins Dunkel und wieder ins Licht, und wir tauchten blind unsere Hände in dunkle Fensterhöhlen, erschauernd, weil wir nicht wussten, waren es kalte Frösche oder weibliche Brustspitzen, die wir berührten. Spätrömische Dekadenz.
 

Zum Weiterlesen:
Stadtwerke Düsseldorf, Düsseldorf und seine Häfen, Verlag Müller 1996

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