Montag, 20. November 2017

Das Bahnhofsviertel wacht auf


Unser OB Thomas Geisel zeigte auf der Immobilienmesse Expo Real zwar das Viertel GRAND CENTRAL, aber er zeigte nicht den Worringer Platz, der gleich daneben liegt. Hätte auch alles kaputt gemacht. Er stapfte munter durch den Hauptbahnhof, Groschek war dabei, aber er ging nicht über den Mintropplatz; hätte wiederum alles kaputt gemacht.


Der Bahnhof ist ein schwieriges Viertel

Neulich war ich griechisch essen, mit Freunden am Bahnhof. Hätte nie geglaubt, dass man da gut essen kann. Kann man aber: griechisch und japanisch sowieso und chinesisch und indisch, amerikanisch, italienisch, türkisch.

Meine Freunde schwärmen vom Theater, nicht im Schauspielhaus, nicht im FFT (Forum Freies Theater) oder im Juta Seta, nein sie schwärmen vom Hauptbahnhof und vom Theater-Café im gläsernen Gang über der Worringer Straße. Sie reden vom Stadtarchiv, von der neuen VHS Bibliothek.


Träum ich?

Meine letzte Erinnerung war ein Film im schrecklichen MAXI Kino neben dem schrecklichen "Buttershaker", im Auto eine Stunde gefangen, ein Ungetüm von einem Parkhaus, wo auf einmal das Gitter hochging, 11 Uhr nachts. War ich ein Krimineller, ein Drogendealer?

Weitere Erinnerungen: eine Polin, die nach Hause wollte auf einem zugigen Bahnsteig mit riesigen Bussen überall, Abschied - Tränen - Taschentücher. Ich wagte nicht, weiter zu gehen auf eine grüne Insel, wo man todesmutig in die Unterwelt stieg, ein Tunnelsystem, das man schließen musste: Lebensgefahr.


Hier begann eine neue Epoche

Genau hier im Baumarkt begann das Musicalzeitalter. Operette war lange aus, Oper war zu schwierig; also ging man ins CAPITOL "Let the sunshine in": zum Schluss tanzten die schönen Frauen nackt auf der Bühne. Wahnsinn. Und in London fragten wir uns: "Durfte man da rein mit Mädchenklassen?“

Noch weiter zurück: mein täglicher Gang von der Helmholzstraße, Harkortstraße zum Bahnhof, zur Uni Köln. Wir wohnten "vor dem Bahndamm". Unser Balkon zeigte auf die Etablissements der Poensgenstraße. Ich überquerte den Mintropplatz "Goldene Hölle". Aber es war keine Hölle, was ich sah. Ich zweifelte an den Worten des Predigers in der "Freien Gemeinde" Bendemannstraße. Die Hölle schien mir das Paradies. Ich ging zum CVJM Graf Adolf Straße, weil es dort nicht nur christliche junge Männer gab, sondern auch die schönsten Mädchen. Und in der "Freien Gemeinde" gab es sie auch. Ich ging von einem Paradies zum anderen.

Das Bahnhofviertel wacht auf in diesen Tagen

"Let the sunshine in !"


Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

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