Samstag, 27. Februar 2016

Letzte Ausfahrt Volmerswerth - das Ende der ZWÖLF

Keine Linie war beständiger. Sie war in gewisser Weise der Anfang der "Elektrischen". 120 Jahre lang war sie die Ratinger Bahn. Seit 1981 ersetzte sie die „17“ nach Volmerswerth.
Weil die Düsseldorfer die unschönen Drähte und Masten der Elektrifizierung ablehnten, musste die erste “Elektrische” 1896 in der Schützenstr starten, wo die Schützen zu Hause waren, also JWD (janz weit draußen). Die Schützenstraße war 1878 als kleine Chemieecke von Henkel erobert worden (Blei Weiß Deus Moll, Ultramarin Piedboeuf, nahe am Oberbilker Gleisdreieck).
Die “Elektrische” fuhr von dort nach Grafenberg und weiter nach Ratingen (zunächst als Kleinbahn). Sie benutzte dabei die Eisenbahnstrecke der Ruhrtalbahn.
1900 fährt die letzte Pferdebahn
Die erste Eisenbahn 1838 (Bergisch Märkische) kommt für die Industrie zu früh. Sie hinterlässt den Gerresheimer Bahnhof und auf verlassenem Gleiskörper die später berüchtigte Kiefernstraße.
Die zweite Eisenbahn 1845 (Cölln Mindener) löst die Düsseldorfer Industrie aus (Oberbilk, Flingern).
Die dritte Eisenbahn 1866 (Ruhrtalbahn der Bergisch-Märkischen) begründet die Grafenberger Industrie von Haniel-Lueg.
Die vierte Eisenbahn 1876 (Rheinische) verdoppelt die beiden anderen, begründet die Rather Industrie mit den Riesen Mannesmann und Rheinmetall, macht aber die Ruhrtalbahn überflüssig und schafft so die Trasse für die erste “Elektrische”.
1885 werden die drei privaten durch die preußische Staatsbahn ersetzt. Die Strecke „Grafenberg- Rath“ der Ruhrtalbahn wird stillgelegt, die Gleise werden von der Elektrischen übernommen, die 1896 den Betrieb aufnimmt.
1906 gab es 11 Straßenbahnen, 1914 haben wir schon die 18 mythischen Bahnen, die jeder alte Düsseldorfer kennt. Zu den Zahlen kommen noch Farbunterschiede: die Grüne „11“ fährt nach Ratingen. 1907 heißt sie„die weiße12“ und wird ab 1981 als 712 nach Süden verlängert bis Volmerswerth.
Ein nostalgischer Blick auf die alte 712
1. Start (oder Ziel): Hellriegel
Schleife auf altem Schutzdeich nördlich der Insel Volmerswerth; Bahn durchfährt die sumpfige Rheinrinne „En dä Ähd” (am Friedhof)
2. Krahkamp
Bahn durchstößt den „Aderdeich” und „Stoffeler Damm”
3. Volmerswerther
alter Prozessionsweg
4. Aachener Platz
rechts: die “Schwarzen Berge” werden zu “Monte Klamott” (heute Trödel), links legendärer Eisladen UNBEHAUN
5. Südring
Zubringer zur (Reichs-)Autobahn, „Mittlerer Ring” des genialen Stadtplaners Stübben (bedauerlicherweise ein Kölner). Alle drei Ringe fangen im Dahlacker an; hier bei Schaffrath ist noch die mittlere Reitspur zu sehen.
6. Suitbertus
älteste Straße von Bilk und damit von Düsseldorf
7. Bilker Bahnhof
Eisenbahntunnel bündelt drei Straßen, schafft die von Stübben geliebten Sternplätze.
Alte Linie 712: Fährt oberirdisch über die Friedrichstr./ Breitestr./ Heinrich-Heine-Allee bis Wehrhahn
Neue Linie U72: Fährt am Bilker Bahnhof in den Tunnel und unterirdisch über Elisabethstr./ Kasenenstr./ Heinrich-Heine-Allee bis Wehrhahn.
8. S-Bahn-Station Am Wehrhahn / Grafenberger Allee
Erste Eisenbahnbrücke von 1876 über Cölln Mindener und Rheinische. Der Norden hat Straßen-Brücken, der Süden -Tunnel, weil die Bahn wegen der hohen Hammer Eisenbahnbrücke auf hohe Dämme gestellt werden musste.
9. Uhlandstr.
Für die “Elektrische” extra breit gebaut, weil Tiergartenstr. zum Zoo ein Flop. Links stand im Jahre 1700 auf dem Schillerplatz der Galgen, der aber das Gesindel hier am Wehrhahn nicht abschreckte.
10. Lindemannstr.
Stübbens mittlerer Ring (Lastenring) wird überquert. Das Atrium ist dem alten Kino nachgebaut.
11. Arbeitsamt (heute: Agentur für Arbeit)
Schöner Hanielpark, 1950 erste Hochgarage Deutschlands (Essleben); der Uhrenturm ist ein Überrest der Lokomotiven-Fabrik Hohenzollern (Haniel).
12. Bahnhof Grafenberg (am Staufenplatz)
Bahn fährt links in die Eisenbahntrasse der alten Ruhrtalbahn.
13. Graf-Recke-Straße / Fahnenburg
Fröscheland Mörsenbroich mit Reitzensteinkaserne; Graf Recke übernimmt das Trappistenkloster und bereitet künftiges Zooviertel vor; Historiker Fahne auf Fahneburg erschließt den Aaper Wald.
14.Rather Broich
Sumpfland am Bergfuß, Militärweg zu den Schießständen Aaper Wald
15. Rather Waldstadion
verweist auf den Kurort Oberrath (vor der Industrialisierung)
16. Endstation: Ratingen Mitte
Früher konnte man sich das Gründungsdatum der Stadt Ratingen gut merken: wie die Linie 12 lag es 12 Jahre vor der Gründung von Düsseldorf: 1288 ./. 12 = 1276. Heute ist vieles anders.

Autor: Dieter Jaeger    Redaktion: Bruno Reble   © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Sonntag, 31. Januar 2016

Abschied von der SECHS

Wir nähern uns der Zeit, wo wir Abschied nehmen müssen von Straßenbahnen, so wie wir sie kannten.

1906 werden für die ersten elf Bahnen der Rheinischen Bahngesellschaft die Nummern 1-11 und Farben eingeführt Die Farbunterscheidung bleibt bis in die Endzwanziger erhalten. Die „6“ war violett. Kürten, der Massenmörder, liebte sie wegen dieser Farbe. Die „6“ fuhr 1906 vom Rathaus über Graf-Adolf-Platz, Kölner Straße nach Eller, ab 1935 weiter durch Flingern zur Brehmstraße. 1940 wird der Volksgarten erreicht, aber erst 1954 ist sie rund mit der Streckenführung über‘n Hennekamp.

1990 macht die Geschichtswerkstatt eine Rundfahrt mit der SECHS; Treffen im überfüllten „Steinkauz“, Abfahrt am Steinberg. Diese „Magical History Tour“ ist gleichsam eine Erinnerung an die Geburtsstunden der Geschichtswerkstatt, hier die Streckenbeschreibung:

1. Start: Am Steinberg


Wir beginnen unsere Exkursion am Betriebshof der Rheinbahn. Die Himmelgeister ist die älteste Straße zum Kirchdorf Himmelgeist, seit Urzeiten Einfahrt der Fürsten nach Düsseldorf, weil man schon in Himmelgeist das Schiff verließ, um die gefährlichen Strombiegungen zu umgehen.

Rechts in den Hennekamp; hier lag das größte Bilker Industrierevier im 19. Jht. mit Schornsteinresten bis in die 70er Jahre; rechts ein Schulzentrum der 60er, zwei Gymnasien, Berufsschulen, dann das Kartenzentrum Brinckmannstr.

Die Redinghovener führt in den Volksgarten, seit 1890 einer dieser Volksparks, die im Zuge der Schreberbewegung für den Industriestandort von Oberbilk entstanden.
2. Kruppstraße

Der Straßenname weist auf Düsseldorfs Industriebeginn hin (wie auch (Kettwiger, Werdener, Eisen-, Mindener). Wir überqueren eine der ältesten Straßen, die Oberbilker Allee.

3. Werdener- / Kettwiger Straße


Hier in Oberbilk stand die Wiege der Industrie, heute riesige Brachen. „Licht und Wärme kommen aus Flingern“. Die Flingeraner hatten am wenigsten davon; rechts die Stadtwerke, links das Freizeitbad DÜSSELSTRAND.

4. Dorotheenstraße


„Flingern holt mächtig auf“; neue Szene-Ecken entstehen an Erkrather Straße, sowie Acker- und Hermannstr. Die Grafenberger Allee trennt das alte Villenviertel des Bildungsbürgertums (mit Straßennamen wie Goethe und Schiller) und das Arbeiterviertel Flingern mit einfachen Baum und Märchennamen (Kiefern-, Fichte-, Birkenstr.)

5. Lindemannstraße


Die Bahn fährt die ganze Zeit auf dem „Mittleren Ring“, einer von dreien, die der Stadtplaner Stübben 1885 gezogen hatte. Der Mittelstreifen war als Reitallee gedacht für das vornehme Zooviertel (links) mit Goethe Gymnasium und dem Stadtteil Düsseltal (rechts) mit dem ehemaligen Trappistenkloster, im 18.Jht.eine wichtige Touristen-Attraktion. Heute erinnert nur noch der Hungerturm an der Fritz-Wüst-Straße an diese Zeit.

6. Brehmplatz


Vor uns das Eisstadion an der Brehmstraße; sagenhafte Hochburg der DEG mit unvergesslichen Schlachtgesängen. Stadionleiter Werner Rittberger machte hier den „Rittberger“. Wir machen die nördliche Wende und fahren zurück in die Innenstadt via Rethelstraße.

7. Franklinbrücke


Über die Gleise geht’s zum Quartier LES HALLES“, oft [läsalles] ausgesprochen; wie ehemals der Bauch von Paris mit Großmarkt, Güter-Bahnhof, Fress-Tempeln und Puffs in der Nähe; Details siehe: „Aus für Les Halles“ geschichtswerkstatt-duesseldorf.blogspot.de/2014_07_01_archive.html

8. Die Düssel


Erst in jüngerer Zeit wird man sich der Schönheit der Düssel bewusst. Statt sie wie früher unterirdisch einzuzwängen und in Beton zu gießen, wird sie begrünt und renaturiert, wie an der Prinz Georg-/ Annastr.

9. Kaiserstraße


Jetzt gleiten wir über die Stern- in die Kaiserstraße, wo 1811 Napoleon in die Stadt eingeritten ist, um im Schloss Jägerhof Quartier zu beziehen.

10. Köbogen


Früher Hofgartenstraße, die vornehmste der Stadt; Schadows Sterbehaus, Villen der Familien Trinkaus, Haniel, Lueg; nach Wegfall der Autobahnbrücke „Tausendfüßler“ jetzt wieder „en vogue“ für Besserbetuchte.

11. Heinrich-Heine-Platz


Wir müssen uns entscheiden: Boxenstopp in der Altstadt oder weiter über Kasernen- und Elisabethstraße, die große Süd-Nord Achse durch Carlstadt und Friedrichstadt, ab 2016 unterirdisch für den Schienenverkehr wegen der Wehrhahn-Linie.

12. Karolingerplatz


Hier fing der Mittlere Ring an von Stadtplaner Stübben mit Merowinger- / Kopernikusstraße und dem breiten mittelstreifigen Dahlacker.

13. Ziel: Am Steinberg


Geschafft: Endstation, alles aussteigen und keine Handtaschen oder Regenschirme vergessen!
 
Autor: Dieter Jaeger          Redaktion: Bruno Reble    © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Mittwoch, 22. Juli 2015

Die KIRMES - eine Räubergeschichte

Jedes Jahr im Juli, genauer um den 23ten herum, feiert Düsseldorf „Die größte Kirmes am Rhein“. Eigentlich müsste sie „Apollinaris-Kirmes“ heißen. Nicht weil ein Mineralwasser als Hauptsponsor auftritt, sondern wegen dem Heiligen Apollinaris, Stadtpatron von Düsseldorf, dessen Namenstag am 23.Juli mit einer Kirchmesse gefeiert wird.
Wer war Apollinaris?
Ein schöner apollogleicher Mann griechischer Herkunft, Jünger des Petrus, wird als Bischof von Ravenna im 2.Jht. einer der ersten christlichen Märtyrer. 1164 werden seine Reliquien an den Rhein gebracht, von Reinald von Dassel, Erzbischof von Köln, als Siegesbeute von einem Italienfeldzug, zusammen mit den Reliquien der Heiligen drei Könige aus Mailand. Bei Remagen weigert sich das Schiff, weiterzufahren, bis die Gebeine des Apollinaris den Benediktinermönchen der Stadt Remagen überlassen werden.
Geld regiert die Welt
Wilhelm II, 1380 aufgestiegen zum Herzog von Jülich-Berg, will Düsseldorf zu seiner Residenzstadt ausbauen und braucht Geld. Und so werden bei einem Fehdefeldzug gegen die Siegburger die Apollinaris-Reliquien geraubt und nach Düsseldorf in die Lambertus Kirche verbracht. Mit etwas Vitamin „B“ und den nötigen Schmiermitteln gibt Papst Bonifaz IX seinen Segen.
Düsseldorf steigt auf in die erste Liga
Der Aufstieg ist geschafft. Neben Köln, Aachen, Trier etabliert sich Düsseldorf zur Premium-Pilgerstadt und nimmt teil an den sprudelnden Einnahmen durch heilsuchende Wallfahrer. Zu Stoßzeiten sind 20 Altäre gleichzeitig aufgebaut, an denen bußwillige Sünder sich erleichtern können, gegen bare Münze versteht sich. 1394 wird Apollinaris zum Stadtpatron ernannt und seitdem tragen die Sebastianus Schützen seine Überreste durch die Stadt. Mit einer Kirmes feiern sie den Heiligen. Die Herrschenden sehen das gern. Kurfürst Jan Wellem war zweimal Schützenkönig, Jakobe von Baden stiftete wertvolles Schützensilber. Wer dreimal Schützenkönig war, brauchte sein Leben lang keine Steuern mehr zu zahlen.
Königin des Tafelwassers
Was hat das Schützen-Amüsemang mit Mineralwasser zu tun? Nun, im Schrein der Düsseldorfer Lambertus­kirche fehlt der Kopf des Heiligen. Denn ein Jahr vor der Erbeutung der Reliquien durch Herzog Wilhelm hatte schon ein anderer Raubritter zugeschlagen und das Haupt des Apollinaris sichergestellt. Sein Name: Gerhard von Einenberg aus Burg Landskron bei Ahrweiler. Eine Apollinaris-Statue steht deshalb auch an einem Weinberg in Ahrweiler. 1852 entdeckt ein Winzer aus Bad Neuenahr das berühmte Mineralwasser und tauft es APOLILINARIS -THE QUEEN OF TABLE WATERS.
Die Moral von der Geschicht‘
Jedes Jahr im Juli  feiern wir einen Apoll von einem Mann, das berühmteste Mineralwasser der Welt, die größte Kirmes am Rhein, aber im Grunde feiern wir auch eine Räubergeschichte.

Autor: Dieter Jaeger      Redaktion: Bruno Reble      © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
 
 

Freitag, 20. Februar 2015

Eine Krone für die Kö: GALERIA KAUFHOF wird THE CROWN

Ende 2014 schlug die letzte Stunde für GALERIA KAUFHOF (ex HORTEN) an der Berliner Allee. Aktuell wird umgebaut für den Nachfolger "The Crown".

Das Gelände sollte einstmals eine Mischung werden aus Unterhaltung, Gastronomie und Shopping.1893 verschwand der Gleiskörper zwischen heutiger Bahn- und Graf-Adolf-Straße. Und so entstanden hier auf dem länglichen Grundstück die ersten Vergnügungs-Etablissements: die Graf-Adolf-Straße als attraktive "belle entrée" zur Königsallee.

Ganz schön lustig, was unsere Altvorderen um die Jahrhundertwende dort getrieben haben. Auf dem Grundstück der jetzigen GALERIA Kaufhof entstand gewissermaßen das erste Kino von Düsseldorf. Nun aber hübsch der Reihe nach:

Das Amüsierviertel von Düsseldorf


Auf dem frei gewordenen Eisenbahn-Gelände Ecke Oststraße errichtete der Mühlenbesitzer Stübben 1895 einen orientalischen Bazar mit "Kaffee-Restaurant". Im 1 Stock gab es ein "Arabisches Cafe" mit Minarett und Kuppelbauten zu bewundern. Orientalischer Kitsch war der letzte Schrei. Die Bazarstraße am Breidenbacher Hof war gerade eröffnet. Schwarze Sklaven bedienten unsere Omas im "Arabischen Cafe" bis 1911.

In der "Wunderhalle" im Erdgeschoss gab es "Lebende Bilder", ab 1904 ein "Panoptikum" mit Panoramen, Abnormitäten und Folterkammer; schließlich ab 1906 den "Kinematograph".
Das Haus war durchgehend geöffnet. Von 9-11 zeigten die Betreiber, meist Kirmes-Schausteller oder Frisöre, 10minütige Schauerfilme ("Kurzes Glück - lange Reue"). Ein richtiger Orchestergraben machte Musik.

Die Nitratfilme waren nicht ungefährlich. Es gab Explosionen. Nur eine Filmrolle durfte im engen Vorführraum sein. Von der Bahnstraße konnte man durchgehen bis zur Graf-Adolf-Straße. Bald war auch der lange Gang überfüllt.

1908 schlug die Stunde für den berühmten Architekten Hermann vom Endt. Das ist der, der das Apollo Theater gebaut hatte. Im Garten des Arabischen Cafés erschuf er das erste richtige Kino "Café Palais". Das Palasttheater gegenüber von der Oststraße gab den Namen. Ab 1928 hieß dieses erweiterte Kino dann "Europapalast".

Das "Europa" hat unsere Jugend begleitet, fast alle großen Ur-Aufführungen habe ich hier erlebt. Jeder Film bekam ein riesiges gemaltes Plakat und ein Programmheft. Dutzende von diesen melierten Heften besitze ich noch. 1954 eröffnete das STUDIO. Es hatte sogar eine Raucherloge. Der Film hieß "Vom Winde verweht".

Ab 1964 entstand mit der Berliner Allee zunächst "DeFaKa" an der Oststraße. Dann kam der Kaufhaus-König Helmut Horten mit den typischen „H-H-Kacheln“ von Egon Eiermann, schließlich GALERIA Kaufhof, dessen Türen sich am 20.12.2014 zum letzten Mal öffneten.

Und jetzt die Krönung „The Crown“


Anfang 2017 soll die Eröffnungs-Zeremonie steigen für ein Mega-Handelshaus mit viel Glas, Gastronomie und Kommunikation. Auf dem Dach die Krone des Ganzen: ein Luxus-Hotel mit dem edlen Namen „CARAT“.

Doch aufgepasst: „Eine Krone ist lediglich ein Hut, in den es hinein regnet!“ wusste schon der Alte Fritz.

Autor: Dieter Jaeger       Redaktion: Bruno Reble        © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Montag, 12. Januar 2015

Klosterabriss für ein Hochhaus

Das marode Franziskanerkloster an der Immermannstraße /Ecke Oststraße wird abgerissen. Die vier letzten Mönche ziehen nebenan in die Marienkirche als neue Klosterkirche. Dort wird es dann die Armenspeisung geben und den Treffpunkt der „fifty-fifty“ Verkäufer.

Auf dem freiwerdenden Grundstück an der Klosterstraße entsteht ein Hochhauskomplex mit 170 Wohnungen, 4000 Quadratmeter Bürofläche sowie Raum für Einzelhandel und Gastronomie. Es soll auch zu 40 Prozent bezahlbarer Wohnraum entstehen. Dabei wird nun zum ersten Mal das neue „Handlungskonzept Wohnen“ in der Innenstadt umgesetzt. Wobei die günstigen Wohnungen zur belebten Straße hin geplant sind, die teureren im hinteren Bereich. Planungsdezernent Bonin erhofft sich dadurch eine Belebung des eher tristen Viertels.

Schon 1853 sieht es in dieser Gegend mehr als trist aus, als der Bettelorden der Franziskaner aus der Verbannung unter Napoleon nach Düsseldorf zurückkehrt. Die Oststraße ist die Ostgrenze der Stadt. Dahinter am Pfannenschoppen, der Straße der Ziegler, gibt es Fabriken, Baggerlöcher und Ziegeleien.

Hier in der "Dreckecke am Windschlag" bauen die Franziskaner ihr "Klösterke". Als 1890 der Hauptbahnhof errichtet wird, muss das Gelände erst trocken gelegt werden. Tonnenweise wird Gerresheimer Sand abgelagert, damit eine einigermaßen ebene Fläche entsteht. An die Pfannenschoppenstr, die jetzt Klosterstraße heißt, kommt 1840 der erste Gashersteller.

Es stinkt zum Himmel !


Denn Sinzig verbrennt Teere, Öle, Fette. Nur den Bettel-Mönchen und den Schülern zweiter Klasse kann diese Dreckschleuder zugemutet werden. Das erste Realgymnasium (später Humboldt und Scholl) öffnet an der Klosterstraße, während die Schüler des illustren Görres Gymnasium an der Kö residieren. Beim Kaiserbesuch sind nur die Görres-Schüler zugelassen, Fähnchen zu schwenken. Heinen, der Direktor des Realgymnasiums, ruft verzweifelt: "Auch in der Schmiede wohnen Götter!"… es hilft nichts.
Der Englischlehrer Zech benutzt auf seinem Weg zur Schule grundsätzlich die Mitte der Fahrbahn auf der Klosterstraße, um sich in dieser verpesteten Luft nicht auch noch dem Bettenlüften der Hausfrauen auszusetzen.
Im "Kulturkampf" unter Bismarck werden die Franziskaner abermals verbannt, tränenreiche Abschiedsfeier am Rheinufer. 1880 kommen sie zurück. Die Klosterkirche entsteht, 1950 nach der Zerstörung der einfache jetzige Bau.
Die Franziskaner waren die Lehrer von Heinrich Heine. Auf ihre Klosterschule an der Schulstraße gehen die ältesten Gymnasien zurück. 

Die Wurzeln des Altbiers


Und etwas sehr Leckeres geht auf sie zurück: das Altbier, z.B. Schumacher auf der Zitadellstraße. Im „Sonnenaufgang" braut er 1838 zum ersten Mal ein "leckeres Dröppke", so wie wir es heute lieben. Schumacher hatte es von den Mönchen gelernt, die nebenan ihre Klosterbrauerei hatten. Als die Mönche 1853 auf die Oststraße ziehen, folgt er seinen Lehrmeistern und besten Kunden und braut fortan in der Oststraße sein Alt.
Auch der Jesuit Jorge Mario Bergoglio liebt Franz von Assisi und übernimmt seinen Namen. Heute ist er Papst.

Autor: Dieter Jaeger          Redaktion: Bruno Reble     © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Donnerstag, 13. November 2014

Köbogen II oder das Ingenhoven Tal


Na, so etwas: Menschen gehen durch ein grünes Tal zum Schauspielhaus. Fische springen über die Düsseltreppe im Kögraben und der neue Jan Wellem heißt Joachim Erwin. Menschen – Tiere - Sensationen, so könnte es heißen.
Der Gründgensplatz schien verloren, trostlos, im Abseits. Da halfen auch keine Weihnachtsmärkte. Doch Stararchitekt Christoph Ingenhoven, der vor 12 Jahren den Begriff Köbogen erfand, darf seine neue Idee nun Köbogen II nennen, obwohl es diesmal nichts mehr mit der Kö zu tun hat.
Die Düssel staute sich seit Urzeiten zum Mühlenweiher, der so genannten "Landskrone" vor der Mühle am Grabbeplatz. Die gewaltige Festungsmauer war deswegen hier ganz schmal.

Nach dem Mauerfall

Nach dem Fall der Mauer 1801 legt Hofbaumeister Kaspar Anton Huschberger von diesem Weiher aus einen gebogenen Kanal zur Kanalstraße, die später Königsallee heißen wird… das ist der Beginn des Köbogens.
Die Zollbrücke über diesen Kanal nennt er "Elberfelder Barriere". Die Elberfelderstraße führt allerdings in eine Sackgasse, ein Schildbürgerstreich der Festungsbauer. Man macht daraus schließlich einen Viehmarkt. Das klingt nicht besonders verheißungsvoll, aber dann…!
1806 wird in das Gartengelände hinter dem Viehmarkt die erste Düsseldorfer Loge gegründet, die "Johannisloge zum heiligen Joachim im Orient". Der "Orient" war ein besonderer Raum der Meditation "ex oriente lux". Die Freimaurer waren Aufklärer.
1830 baut der gewiefte Vagedes-Schüler Schnitzler neben der Loge (zu Ehren seines Gönners Prinz Friedrich) das Friedrichsbad, eine unerhört moderne Wellnessanlage.

La crème de la crème

Mittlerweile war die Elberfelder Straße zur exquisiten Wohn- und Einkaufsstraße geworden, die Hofgartenstraße (direkt am Wasser) wird die vornehmste Straße der ganzen Stadt.
Auf die Elberfelderstr. kommen die Denkmäler für Cornelius und Schadow. Die Plätze heißen demzufolge Corneliusplatz und Schadowplatz.
Die Wiesen der Düssel, die zur Bleiche dienten, werden zur Bleichstraße mit dem Ibachsaal, Düsseldorfs Kleinod der Kammermusik. Das Viertel ist zum kulturellen Herzstück der Stadt geworden.
In die Ruinenlandschaft nach dem Krieg zwei Paukenschläge: Dreischeiben- und Schauspielhaus; jetzt mit dem Köbogen der dritte Paukenschlag.
Um Kö I mit Kö II zu verbinden, sollte man vielleicht die Düssel von der sogenannten „Seufzerallee“ zum „Ingenhoven Tal“ umleiten. Ein Tal braucht einen Fluss und die Fische springen dann als Schauspiel vor dem Schauspielhaus.
Autor: Dieter Jaeger          Redaktion: Bruno Reble    © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de

Donnerstag, 16. Oktober 2014

DIE GRÜNE ACHT gerettet - eine Erinnerung


Die Straßenbahnen trugen ab 1906 die bis heute mythischen Namen 1-11 , erweitert bis 18. Bis 1928 hatten sie alle verschiedene Farben. Die 8 war die HELLGRÜNE 8, die ZOO-HAMM-Bahn. Selten war eine Linie so beständig wie die 708.
1876 fuhr der Belgier Boyart mit den ersten beiden Pferdebahnen vom Rathaus über Flinger-, Mittel-, Benrather-, Kasernenstr. zum Bahnhof Graf Adolf Platz und über Flinger-, Hunsrück-, Flinger Tor, Bolkerstr, Elberfelder-, Schadow-, zur Tonhalle (heute Karstadt).
1876 fuhr er auch schon über Bahn-, Ost-, Wehrhahn-, Rethelstr. zum Rheinischen Bahnhof Ahnfeldstr. und über Grafenberger Allee bis Tiergartenstr, also zum Zoo.

Die ersten Betriebshöfe

1876 ein Schuppen am Burgplatz und der Hof an der Nordstr;
1877 geht es zur Flora über Friedrichstr und Bilker Allee.
1880 hatte man die Grenzen erreicht: die Flora, die Nordstr, die Oststr und als Ausnahme jenseits der Eisenbahn den Zoo: Großereignis Zooausstellung mit Geburt eines neuen Stadtteils.
1892 kauft die Stadt die Bahn. Ende 1900 gibt es 370 Pferde und 80 Wagen.
Die "Elektrische" startet 1896 als Rheinbahn linksrheinisch in Oberkassel, rechtsrheinisch fährt die erste Elektrische von Schützenstr nach Grafenberg.

Ab 1900 wird alles elektrisch

1906 fährt die GRÜNE 8 vom Zoo über HBF, Kavalleriestr, Loretokirche bis Fährstr, 1910 über Volmerswerther bis Südfriedhof, 1924 bis Hamm, 1934 über die große Brücke Ackerstr zum Zoo.
Seitdem ist die Strecke fast gleich geblieben, eine Seltenheit bei den berühmten 18er Linien.
Die 708 verbindet als einzige Düsselthal mit HBF, sie fährt als einzige mitten nach Hamm. Sie sollte wegen der Wehrhahn-Linie abgeschafft werden. Durch massiven Bürgerprotest konnte dieser Plan gestoppt werden. 

Linie 8 gerettet


In der Koalitionsvereinbarung der Düsseldorfer Ampel-Koalition (SPD, Grüne, FDP) wurde am 3.10.2014 beschlossen: Die Linie 8 wird nicht eingestellt, sondern zwischen Uhlandstr, Hauptbahnhof und Poizeipräsidium weiter eingesetzt. Ab Uhlandstr. wird es einen Nord-Ast zur Heinrichstr. geben und einen Ost-Ast zum Gerresheimer Krankenhaus.
Autor: Dieter Jaeger      Redaktion: Bruno Reble    © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de