Sonntag, 6. Juli 2014

Aus für LES HALLES


Traurig, aber wohl wahr! Das Szene-Lokal "Les Halles" schließt Ende 2014 endgültig seine Pforten in Düsseldorf. Der Besitzer hat das Grundstück an einen Investor verkauft. Geld regiert die Welt.

Es ist zum Haare raufen

Ein steinernes, seelenloses Büromonster soll an der Stelle hochgezogen werden, wo 14 Jahre lang lecker gespeist und gelacht wurde, getanzt und getrunken; In einer liebevoll eingerichteten Halle des ehemaligen Derendorfer Güterbahnhofs.
Les Halles war mehr als ein beliebiges Restaurant. Es war der Ursprung für die Dreibrückenstadt auf dem alten Güterbahnhof, der Ursprung für das „Quartier Central“, das französische Viertel in Düsseldorf – „le petit Paris“.

O lá lá, Fronkreisch, Fronkreisch!

Hier gibt es Begriffe, die in keinem Wörterbuch stehen z.B. „Quartis  d´ile“ - Verbindungsglied zwischen den Chic-Vierteln Zoo, Derendorf und Pempelfort. Taufpate war 1995 der Trödelmarkt im alten Bahnhof „Les Halles“, den die Düsseldorfer liebevoll [läsalles] aussprechen. Der Name stammt von „Les Halles“, der alte Großmarkt im Zentrum von Paris mit Rotlicht-Viertel in der Rue St Denis. Und bei uns die Hallen neben dem Güterbahnhof, der Puff in der Rethelstraße; das passt ja prima zusammen.

Der Bauch von Düsseldorf

Der Derendorfer Güterbahnhof wurde ab 1863 angelegt, als man den „Zentral Personenbahnhof“ am heutigen Konrad-Adenauer Platz gebaut hatte und man eine Trennung von Personen und Gütern für angebracht hielt. Die riesigen Dampfkessel von Oberbilk/Flingern wurden bis Derendorf mit sechsspännigen Pferdewagen transportiert.
An der Rethelstraße (damals „Ahnfeldstraße“) entstand 1874 der dritte Personenbahnhof, der so genannte „Rheinische Bahnhof“. Die heutige Franziskusstraße von 1913 zeigt noch den kerzen-geraden Verlauf der alten Gleise. So wurde die Gleisstrecke unter der Franklinbrücke Deutschlands befahrenste Strecke überhaupt.
Der nördlichste Teil des Geländes hat im Dritten Reich eine unselige Rolle gespielt, als jüdische Mitbürger hier mit Viehwaggons in die Vernichtungslager transportiert wurden.
Als der Güterbahnhof 1985 geschlossen wurde, entstand eine Alternativkultur mit szenigen Kuschelecken an der Schirmerstraße rund um das Lokal „Les Halles“.
Vielleicht wird man sich jetzt wieder an die Urstraßen erinnern, die vor der Eisenbahn das heutige Zooviertel mit der Innenstadt verbanden: die Düsselthaler Straße führte nach Düsselthal, zu einem düsteren, 1701 entstandenen Trappistenkloster (heutige Graf Recke-Straße). Auch die zweite Urstraße, die heutige Herder-/ Wielandstraße, hieß früher „Mönchweg“ und führte zum Kloster.

Wo die Galgenvögel lauern

Auf dem Weg zum Kloster kam man an der „Richtstätte“ vorbei (heutiger Schillerplatz), wo die Gehenkten im Winde baumelten.
„Galgengässchen“ hieß ein kleiner Weg von dort aus, der an der heutigen „Bar Olio“ und an „Les Halles“ vorbeiführte. Vielleicht ein szeniger Name für das „Quartier Central“. Grusel ist in.
Autor: Dieter Jaeger                      Redaktion: Bruno Reble

Samstag, 21. Juni 2014

"Toni, Du bist ein Fußballgott!"

von Dieter Jäger
Eigentlich hatte es eine Straße werden sollen: in Unterrath „Auf den Geisten“, benannt nach dem Düsseldorfer Fußball-Idol Toni-Turek. Die Straße war da, zumindest auf dem Reißbrett, aber es fehlten die Häuser. Die Siedlung wurde nie gebaut und so mussten sie wieder entfernt werden, die Schilder mit der Aufschrift „Toni-Turek-Straße“, die 2004 mit großem Tam-Tam vom damaligen OB Erwin angebracht wurden.

Nun also ein  Denkmal

genauer eine Bronze-Plastik, 4,50 m hoch. Sie zeigt den Teufelskerl, lässig gelehnt an einen Torpfosten in Form einer "Nummer 1"; Einweihung am 4 Juli 2014 zum 60.Jahrestag eines Wunders, wenn die Fußball-Weltmeister von 1954 vor der Düsseldorf Arena gefeiert werden sollen. Hochrangige Torwartlegenden haben ihr Kommen angesagt. Schaun wir mal.

"Tor, Tor, Tor!" 

und „Toni, Du bist ein Fußballgott“. Es gibt Worte, die bleiben. In der jungen Bundesrepublik gab es zwei Wunder: das Wunder von Lengede und das Wunder von Bern. Toni Turek war damals der beste Torwart.
Am 30. April 1954 gewinnt er im Berner Wankdorf-Stadion gegen Ungarn und für Deutschland die Weltmeisterschaft. Dabei war er kein echter Düsseldorfer, sondern ein Eingekaufter vom SSV Ulm. Sein Stammverein war Duisburg 1900.
Seine Stärke war eine unglaubliche Reaktionsschnelligkeit. Er konnte an der Schusshaltung der Stürmer erkennen, dass der Ball nicht das Tor treffen würde. Mit stoischer Ruhe sah er zu, wie der Ball Zentimeter am Tor vorbei zischte; nervenaufreibend, selbst für Sepp Herberger. „Das sehe ich schon, Herr Herberger", war dann sein Kommentar.
Es war die Zeit des Wiederaufbaus. Länderspiele waren Volksfeste. Trost für die zerschlagene Seele. Toni Turek verkörperte für viele den Neuanfang. Aus Kellerkindern waren Wirtschaftswunderkinder geworden. Das Wunder von Bern gab den entscheidenden Anstoß.
Turek bestritt 133 Spiele für Fortuna Düsseldorf. Ach Fortuna! Glück und Glas, wie leicht bricht das? Vielleicht der falsche Name; aber warum sollte ausgerechnet die Glücksgöttin aus der Antike die Namenswahl beeinflusst haben?

Brotfabrik Fortuna

Eine Brotfabrik hieß so und ein Lieferwagen dieser Firma soll gerade um die Ecke gebogen sein, als Turner aus Flingern nach einem neuen Vereinsnamen suchten.
Flingern ist Düsseldorfs Aschenputtel, der Hinterhof des Glücks. Nach Flingern kam das große Gaswerk, dann die Elektrizitätswerke, später die Müllverbrennung. “Licht und Wärme aus Flingern“, hieß es euphemistisch, aber die Flingeraner hatten am wenigsten davon. Die erste „Elektrische“ fuhr weit an ihnen vorbei.
Zur Beruhigung der Arbeiterbevölkerung in diesem Viertel vergab die Stadt Straßennamen, die Bäume, Blumen und Märchenfiguren darstellten, wie die später berüchtigte „RAF“- Kiefernstraße, während nebenan im vornehmen Zooviertel die deutsche Bildung dominierte (Schiller, Goethe, Herder).
Und die ersten Schlachten der Fußballjonges aus Flingern gingen vor allem gegen die feinen “Lackschuhpinkel“ vom DSC, aus dem später die DEG werden wird.
Ihr Fußballplatz entsteht, wie der Name „Flinger Broich“ besagt, auf einem Sumpfgelände, das niemand haben wollte. Angefangen hatte alles mit dem sportlichen Amtsrichter Emil Hartwich, auf den die Hälfte der Düsseldorfer Sportvereine zurückgeht. Er hatte mit seinem Buch „Woran wir leiden“ dazu aufgerufen, die Arbeiterjugend weg von der Straße und vom „Suff" zur Körperertüchtigung zu erziehen. Die Fortuna hatte in der wilhelminischen Zeit 1895 als „Turnverein Flingern“ angefangen. Fußball war verpönt als „Fußlümmelei“ oder „Englische Krankheit“. Hartwich hatte gerufen: “Werft den Fußball auf den Turnplatz!“.
Die Fortuna hat alle Höhen und Tiefen des Fußballs erlebt: 1933 Deutscher Meister, 1979 Deutscher Pokalsieger, sieben mal im Pokalendspiel, aber auch immer wieder Abstieg in die unteren Zonen bis zu den Amateuren.
Berühmte Namen, wie der Rekordnationalspieler Paul Janes ( 71 Spiele), Mauritz, Juskowiak, Jakob „Knöd“ Bender,  Kobierski, Jupp Derwall, die Allofs-Brüder, Gerd Zewe.
Heute singen die Düsseldorfer wehmütig: “Wenn der Janes und der Knöd hütt noch Fußball spele döt“.

Samstag, 14. Juni 2014

Wer wird Oberbürgermeister?

von Dieter Jaeger
Zum 37.Mal wählt Düsseldorf am 15.Juni 2014 seinen Oberbürgermeister. Der Erste wurde am 1.Dez 1813 ernannt. Es war der Beigeordnete Heinrich Schnabel. 
Nach Ansicht der preußischen Regierung muss es schwierig gewesen sein, „ein qualifiziertes Subjekt zu dem gerade gegenwärtig höchst lästigen Geschäft eines Bürgermeistes von Düsseldorf zu gewinnen“. Dementsprechend groß war der Verschleiß zu Beginn der Preußischen Herrschaft. Alle halbe Jahre ein neuer OB.

Redlich, mutig, klug

Gleich die erste Wahl 1815 geriet zum Spektakel. Wählen durften ohnehin nur steuerzahlende (männliche) Bürger, wobei die Reicheren mehr Stimmen hatten als die weniger Reichen. Die heftig geführte Schlammschlacht zwischen einem Protestanten und einem Katholiken ging in die Geschichtsbücher ein.
Deshalb wurde bei den nächsten Wahlen ein Tugendkatalog aufgestellt. So sollten potentielle Bewerber über ein gesetztes Alter verfügen, begütert, gebildet und Familienvater sein, ein guter Haushalter im eigenen Haus, beliebt bei Bürgern, außerdem redlich, klug, mutig, bescheiden, sanftmütig, wohltätig und religiös, doch duldsam.

Als die Amtshandlungen mit einem Gelage endeten

Vor 1813 gab es nur einfache Bürgermeister und das Leben schien einfacher. Der Bürgermeister herrschte über 4 Schöffen, die vom Fürst bestimmt und 4 Räte, die vom Bürger gewählt waren.
„Schöffen“ waren seit Karl dem Großen die Urteilsfinder, „Räte“ konnten intelligent raten, d.h. “Runen lesen“ und dann „Ratschläge“ geben.
Allerdings wurde daraus bald ein Familienclan der immer gleichen Apotheker, Wirte und Weinhändler, zumal alle Amtshandlungen immer mit einem großen „Gelage“ im Wirtshaus endeten.
Der  Meister der Bürger (lat. Magister) nannte sein Kollegium bald „Magistrat“. Der Meister vertrat die Stadt im „Landtag“ oft gegen seinen Fürsten, von dem er im herrschaftlichen 17. und 18. Jahrhundert mehr und mehr geknebelt wurde.
Der Bürgermeister war der wichtigste Mann der Stadt. Er setzte die Preise fest und kontrollierte die Einnahmen und Ausgaben. Wenn er auch nur das Doppelte eines Stadtrates bezog, so kam er durch die vielen Nebeneinkünfte auf das Vierfache seines Gehalts (Hebegelder bei Steuerfestsetzungen, Diäten bei Landtagen, Gelder für Prüfungen). Er wurde so mächtig, dass die Bürger bald öfter gegen ihren Magistrat als gegen den Fürst rebellierten.

Die Moral von der Geschicht‘

Der letzte Bürgermeister, französisch „Maire“ genannt, ist in die Lokal-Geschichte eingegangen.
Auf die 100 Fragen der französischen Verwaltung über seine Stadt Düsseldorf antwortete Maire Pfeill 1806 wahrheitsgemäß  zur Frage 73:  “Was ist der moralische Hang der Einwohner?“
„Die allgemeine Stimmung der hiesigen Einwohner ist in einem vielleicht zu hohen Grade zum Genuss eines jeden geselligen Vergnügens und der Zerstreuung bereit“.

Mittwoch, 11. Juni 2014

"Quartier M“: hoch hinaus mit 100-Meter-Turm

von Dieter Jäger
Quartier Central, Quartier Boheme, Quartier Andre, jetzt Quartier M,  die Quartierssuche geht weiter, auch wenn frankophone Zungen lieber von einem [kartjee] sprechen, wenn sie ein „Viertel“ meinen.
Auf dem ehemaligen Postgelände Erkratherstraße entsteht das neue „Quartier M“ für Büros, Wohnen, Gewerbe; Hauptattraktion ein 100 Meter Turm des Star-Architekten Jürgen Mayer H. - stürmisch gefeiert von der Presse und ausgezeichnet mit dem „Mies- van- der- Rohe Preis“, wie Perrault, Foster und Chipperfield.
Von 1895 bis 1937 stand hier die Brauerei Höfel, daneben schon seit 1865 die Maschinenfabrik Schieß. Es handelte sich um das berühmte „Oberbilker Gleisdreieck“, in dem die ältesten Oberbilker Industrien lagen. Der Stadtplaner Stübben legte 1885 in den nördlichen Schenkel, also in die jetzige Worringerstraße, den neuen Hauptbahnhof. Auf die Brauerei Höfel folgte 1937 die Post.
Der 100 m Turm ist ein alter Hut. Vor 20 Jahren schon, bei der Umstrukturierung der Industrie-Brachflächen in Oberbilk, war fast an der gleichen Stelle der 140 m Turm „IHZ“ (Internationales Handelszentrum) vorgesehen. Er sollte das neue Wahrzeichen von Düsseldorf werden mit „hängenden Gärten“, „Wasserfällen“ und „Lichtflügeln“ (Glasmöwe).

M wie Moskau

Beflügelt in der Gorbatschow Euphorie von 1989 war vor allem an ein „Russisches Haus“ gedacht. Düsseldorf gewann den Standort gegen Hamburg und Stuttgart. Daher der Name „Moskauer Straße“, von dem jetzt der Name M herrührt.
Neben dem Turm sollte ein „World Trade Center“ entstehen. Das unglückliche WTC in New York vergab 77 dieser geschützten Namen weltweit. Für Deutschland stand Düsseldorf.
Von all diesen gewaltigen Plänen ist nur eine dürre Version übrig geblieben: das „Haus der Wirtschaft und Industrie“ (HWI) am Oberbilker Markt, sowie zwei fünfstöckige Bürohäuser an der Moskauer Straße mit U-Bahn Anschluss.
Damals vor 20 Jahren, sprach man in Oberbilk vom „urban entertainment center“.
Aus dem alten Pferdebahndepot (1896) an der Erkratherstr. wurden ab 1996 das Tanzhaus und das Capitoltheater (2011 großer Erfolg mit Hape Kerkeling und Dirk Bach).
Eingezogen in die alte Paketpost an der Worringerstr. ist mittlerweile das Central Theater (Probebühne) und das Stadtarchiv. Gleich neben dem Hauptbahnhof steht das größte Kino der Stadt.
Trotz all dieser Anstrengungen und neuerer Aktionen (wp8 Künstlerverein, „Platzda“, “Hellgrün“) ist der Worringer Platz ein Problemkind.
Ähnlich, wie bei den Träumen der „Global City“ in Oberbilk, wird man hier die Erwartungen des „urban entertainment center“ zurückschrauben müssen.

M wie Mörder

Drei Wochen nach der Hinrichtung des Düsseldorfer Mörders Kürten 1931 gab es den Meisterfilm „M“ von Fritz Lang mit Peter Lorre und Gustaf Gründgens. Im Ausland hieß der Film „M - il mostro di Düsseldorf“ (das Monster von D)
Mit „M“ verbindet der Düsseldorfer automatisch den Mörder Kürten.
Makaber: Der Wohnturm „M“ liegt nur 200 m neben der damaligen Wohnung des Mörders.
zum Weiterlesen: Anne Mommertz, Oberbilk, Düsseldorf 2010

Dienstag, 3. Juni 2014

"Das Majolikahäuschen wiederentdeckt" von Dieter Jaeger

Kachelteile des ehemaligen Juwels gefunden bei Erdarbeiten vor der Tonhalle
  
Erinnern wir uns an das Possenspiel im Hofgarten im Jahre 2007: „Erwin gegen den Rest der Welt“. Ein Café für Düsseldorfer Bürger sollte auf der Tonhallen-Terrasse errichtet werden; per Ratsbeschluss von SPD, FDP und GRÜNE. Doch dieser Beschluss wurde von Oberbürgermeister Erwin kassiert, weil man angeblich auswärtige Besucher nicht ausgrenzen dürfe; Kopfschütteln bei den Parteien und bei den Bürgern.
Es sind schon merkwürdige Dinge, die hier an der Tonhalle passieren und immer hat die Obrigkeit ihre Hand im Spiel.

Abgang bei Nacht und Nebel

So auch beim Abriss des heißgeliebten Majolikahäuschens (Name von Mallorca-Fayencen abgeleitet). Es stand 20 Meter neben der Tonhalle im Hofgarten und war ein Überbleibsel der großen Ausstellung von 1902.
Villeroy & Boch hatte hier einen Pavillon: ein weiß blau gelber Jugendstilbau, wunderbar verziert, Treffpunkt für Liebespaare und Gouvernanten mit Kinderwagen. Es gab Kaffee und Kuchen, Kakao und Milchgetränke.
Heute ist das Häuschen kaum noch zu erahnen. Nur Spurenleser und Düsseldorf Freaks erkennen seine Umrisse im jetzigen Kinderspielplatz.
In der Nacht des 9.FEB 1926 verschwand das Häuschen spurlos. Ein Krimi, Sturm der Entrüstung in Düsseldorf; einen Monat lang kein anderes Thema im Blätterwald. Man hatte etwas geahnt, als einige Zeit vorher dem Besitzer gekündigt worden war.

Was war geschehen?  

Heute wissen wir es. Drahtzieher war Professor Wilhelm Kreis, Hauptarchitekt der GESOLEI (Düsseldorfs Groß-Ausstellung 1926), der Erbauer des Marxhauses (erstes Hochhaus in Deutschland), des Ehrenhofs mit Planetarium (die heutige Tonhalle) und der Rheinterrasse.
Dieser Baulöwe hatte etwas gegen das Jugendstil-Gebäude mit seinen prunkvollen Schnörkeln und aufgeklebten Ornamenten („versaut mir die ganze GESOLEI“). Im Malkasten hatte er zu einem der Hauptbeteiligten gesagt: „Sie waren doch Pionieroffizier. Muss doch für Sie eine Kleinigkeit sein, das olle Ding wegzublasen“.
Diplomingenieur Richard Sonnemann 1964 in einem späten Zeitungsbekenntnis: “Wir trommelten einige Zimmerleute zusammen, besorgten einen Lastwagen und nach einigen Lagen Freibier war von dem Majolikahäuschen nichts mehr zu sehen“. Zum Oberbürgermeister Lehr gebeten, zuckte Kreis nur die Achseln. Es gab keine Belege. Es blieb bei Vermutungen.
Die Düsseldorfer lieben bis heute ihr verschwundenes Majolikahäuschen. In der verklärenden Erinnerung wird es wie das verschwundene Düsselschlösschen zu einem Idol.

Mehr bei de.wikipedia.org/wiki/Majolikahäuschen

Mittwoch, 21. Mai 2014

„Cornelius auf Augenhöhe“ von Dieter Jaeger


Wenn man raustritt aus der Tiefgarage der Schadow-Arkaden ist alles neu: die Blicke, Perspektiven, Häuser. Einen Moment lang könnte man auch im Centralpark Manhattan sein; der Hofgarten nicht wieder zu erkennen, der Wassergraben, die Elberfelder Brücke, die neue kleine Brücke.

Wie wär’s mit einem Experiment: Dritter Stock in der Trattoria "Poccino" auf einen Kaffee, eine neue Welt, als wäre man in einer anderen Stadt.

Allein das Parkhaus: unheimlich und bedrohlich, der Tunnel, die steilen Passagen, große Torschranken, die runterzufallen drohen, die Einsamkeit. Das ist die Unterwelt. Danach wird es großartig.
Im Köbogen, soeben als bestes europäisches Geschäftshaus ausgezeichnet, nehmen wir die Brücke zum Hofgarten. Frühling! Wunderbar! Diese Ecke war einmal unser erster Botanischer Garten. Das sieht man ihm immer noch an.

Cornelius ist wieder rundum begehbar

Die Nazis hatten sein Denkmal in den Wald gestellt, um Platz für ihre Aufmärsche vor dem Parkhotel zu schaffen. Und da verrottete er langsam, ganz zu schweigen vom Hundekot um ihn herum.

Cornelius war der Chef der "Düsseldorfer Malerschule", die zur Akademie aufgestiegen war und die mit ihm und seinem Nachfolger Schadow weltberühmt wurde.

Das Denkmal von 1879 gehört zu den ersten Denkmälern überhaupt. Mit Weyhe, Schadow und Immermann wurden in Düsseldorf Künstler geehrt und keine Militärs. Das ist gut und bemerkenswert.

Interessant ist die Abstufung: der gebürtige Düsseldorfer Cornelius bekommt ein übergroßes Denkmal, der Berliner Schadow eine Büste, der Jude Bendemann als dritter Chef nur eine Straße, die ihm später weggenommen wird (Fritz Röber- heute).

Cornelius im Mantel, um ihn größer zu machen, die Reißfeder in der Hand; links die „verhüllte“ Religion mit Bibel und Kreuz, rechts die "Poesie" als Nackedei mit Lyra (daraus wird Lyrik) und Pergament (Vorläufer des Papiers). Cornelius gehörte zum religiösen Lukasbund, besaß aber eine wunderschöne Ehefrau; ein Zeitzeuge: "Nie sah ich einen göttlicheren Oberleib!"

Das große Relief vorne zeigt die "Malerei", getragen von der griechischen Sphinx (Fabeltier aus Löwe und Frau und Symbol der Ewigkeit).

Die Rückseite zeigt über dem Wappen der Malergilde, links "Italia", rechts "Germania" (Cornelius zog es nach Rom, wie viele der Lukasjünger); in den Ecken oben: Dürer und Michelangelo.

Die kleinen Reliefs vorne: „Mutter Natur" als Frau mit Füllhorn, Symbol von Fruchtbarkeit und Überfluss (ursprünglich ein griechischer Weinkorb); rechts: der "Genius" als geflügelter Mann, der der Frau den Schleier nimmt.

Die kleinen Reliefs hinten: der Brunnen der "Inspiration"; rechts: der deutsche "Dr. Faust"; links: die schöne Griechin "Helena".

Den Künstlern war immer der Bezug zur griechischen Antike wichtig; deshalb auch überall die Akanthuspflanze (Mittelmeer) als Ornament und der immergrüne mediterrane Lorbeer als Siegerkranz.

1879 hatte man Sorge, das Denkmal in Marmor auszuführen (Zitat: „bei der Zerstörungslust der hiesigen niedrigen Bevölkerung"). 1892 wird dann das Kriegerdenkmal daneben in Marmor gestaltet. Allerdings wurde es durch einen Wärter mit Wärterhäuschen rund um die Uhr bewacht. In der Nähe standen Schilder: "Mitführen von Kinderwagen und Hunden untersagt".

Zum Weiterlesen: Wolfgang Franken, Ars Publica, 2013

Dienstag, 6. Mai 2014

"Der Köbogen – vornehm geht die Welt zugrunde" von Dieter Jaeger

Na klar, da muss man hin. Das Gebilde konnte vor kurzem nur im Kilometer-Abstand um­fahren werden. Die Stadt war zu.
Bei der Ausfahrt ging die Schranke nicht hoch. Ein Mann kam heran: "Das hier ist nur für VIP-Personen!“ Ich: "Aber das müssen Sie doch sagen.“
Im Liftbereich nahm ich den linken und saß fest. "Das ist nur für Sehr-Wichtige-Personen!"
Ich: "Aber das müssen Sie doch sagen".
In der "Sansibar" zwei Befrackte "Hier ist zu! Das ist für Wochen ausverkauft".
Ich sage nichts mehr.
Aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert
Man sollte trotzdem hingehen. Es ist aufregend: Nord Tunnel, Tiefgarage, Lift. Wir landen mitten im Bogen, genauer: im zentralen Bogen des Bogens; erstmal einen Kaffee. Sechs wunderschöne Damen mit Mandelaugen und anmutigen Bögen lächeln mich an.
Ich gehe hinunter über die kleine neue Brücke zum Hofgarten. Der ganze Wasserbogen ist wieder da; die Elberfelder Brücke wieder sichtbar. Hier standen die Zollhäuschen. Nachts wurde die Stadt abgeschlossen.
Und genau hier stand auch der Triumphbogen, durch den Napoleon 1811 in die Stadt einritt. Hinter der Brücke ging es rechts in den "Botanischen Garten". Die Bäume stehen immer noch.
Man nannte die Straße nach dem wichtigen Ort Elberfeld. Links gleich zu Beginn: das Weinrestaurant Thürnagel, unerhört vornehm, mondäner Austernsalon, glutäugige Kokotten, „chambres séparées".
Daneben die ersten Erdbeeren in Watte verpackt; Artischocken, Ananas, ein Schlemmer­paradies; permanente Kunstausstellung bei "Bismeyer"; ein Luxuslokal neben dem anderen.
1879 kommt Cornelius mitten auf die Elberfelder Brücke. Erst die Nazis schubsen ihn in den Wald; „Platz da!“ für ihre Aufmarschplätze vor dem Parkhotel.
1865 war schon aus dem Kälbermarkt der Schadowplatz entstanden mit der Büste des Meisters. Die Elberfelder Straße verband Cornelius und Schadow, die beiden Großen, die Düsseldorf weltberühmt gemacht hatten.
Noch einmal zurück zu Breuninger
Der Schadowplatz ist wieder ein richtiger eingerahmter Platz mit dem Schadowdenkmal in der Mitte. Das Portal im Köbogen war damals die Logengasse, die zur Loge und zum Friedrichsbad führte, Düsseldorfs erste Sauna von 1835.
Aber mehr noch als die Elberfelder, imposanter noch als die beiden Plätze war die vornehmste Straße von Düsseldorf: die Hofgartenstraße. Sie ist ganz verschwunden. Machen wir die Augen zu und träumen ein wenig.
Carl von Pritzelwitz, Hofmarschall beim Prinzen Friedrich auf Schloss Jägerhof, besaß das erste bombastische Haus: 20 Zimmer, Bodenheizung, Stallungen.
Später bekommt es Trinkaus, erster Bänker der Stadt, Chef der Handelskammer, Besitzer von Schloss Elbroich und damit Initiator von Reisholz und Holthausen.
Dahinter saß Haniel, der mit dem geheimen Kommerzienrat Lueg ein ganzes Viertel Oberkassel aus dem nichts heraus gestampft hat. Dahinter Graf von Groeben, Adjutant des Preußen-Königs Friedrich Wilhelm, des Pferdeapfel-Königs, dem wir den Namen der Kö verdanken.
Hier schlug das Herz der modernen Großstadt. Man tanzte, spielte Theater, sang im Chor. Unglaublich schöne Damen trugen diese langen Roben, die Taille extrem geschnürt, der Busen unter weißer Flatterbluse. Sie wussten schon immer, wie sie uns die Sinne rauben. Die Herren hatten mörderische Stehkragen, immer Hut, Weste, Gamasche, immer schwarz und weiß.
Sehen und sterben
Ich sitze genau an der Stelle, die Schadow für seine letzte Bleibe ausgesucht hatte: " Den Hofgarten sehen und sterben",  und das tat er dann auch.
Hinter seinem Haus begann die "Pempelforter Promenade", bei den Touristen die "Champs Elysées" von Düsseldorf. Und wo das Elysium ist, geht es bekanntlich direkt hinauf in den Himmel.