Herzstück Düsseldorfs von 1900 bis heute
Als 1801 die Mauer fiel, gemeint ist die Stadtmauer, da schuf Hofbaumeister Huschberger ab 1804 Wassergräben und Alleen. Auf der verwinkelten Trasse der Ostmauer entstand so die künftige Königsallee, anfangs Mittelallee genannt.
Das Wasser wurde an drei Stellen überbrückt: Ratinger Brücke im Norden, Elberfelder Brücke im Osten und Benrather Brücke im Süden. Die Brücken waren gleichzeitig Zolltore nach dem Muster der Pariser Zollmauer von 1783. Die in einem einfachen Bretterzaun liegenden Tore wurden nachts abgeschlossen. Der berühmte Triumphbogen, durch den Napoleon im November 1811 ritt, war das Elberfelder Tor.
Die Barriere d´ Elberfeld führte auf den Kälbermarkt, hier war das Ende des Flinger Steinwegs (heute Schadowstr). 1811 entsteht der Boulevard Napoleon (Heineallee), der an der Flinger Bastion endete. 1803 werden die Kasernen abgerissen. Der kleine östliche Weg wird 1807 verbreitert und "Breite Straße" genannt. Als Breidenbach an diesem Boulevard 1812 sein Hotel eröffnet, gibt es keinen Zugang zur Flingerstraße, keinen Zugang zur Kö. Stattdessen plärren 500 Pänz vom "Kasten", dem königlichen Gymnasium (ab 1831) direkt vor seiner Tür.
1869 bekommt der Kälbermarkt die Schadowbüste und den Namen Schadowplatz. Jetzt erinnert man sich an den großen Vorgänger Cornelius, von 1819 bis 1824 erster Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie. 1872 gibt man ihm eine Straße und erwägt am Ende der Kö ein Denkmal.1879 wird es aufgestellt, der kleine namenlose Platz wird zum Corneliusplatz.
Seit 1902 steht daneben das berüchtigte Parkhotel, in dem Adolf Hitler 1932 von der deutschen Großindustrie hofiert wird. Um Platz für Aufmärsche vor ihrem Lieblingshotel zu haben, verschieben die Nazis das Denkmal 30m nördlich in den Wald.
1880 wird der kleine Corneliusplatz durch Zuschütten des Kögrabens zum heutigen Zentrum von Düsseldorf und bekommt den Schalenbrunnen (Leo Müsch) und 1902 den Tritonenbrunnen (Fritz Coubillier). 1909 formt der Jugendstil-Meister Josef Maria Olbrich Düsseldorfs größtes Juwel: den Kaufhof.
Der Platz mit seinen Droschken, Pferdebahnen, Elektrischen, Autos und berühmten Kaufhäusern wird eine Art "Potsdamer Platz". Längst hat das Parkhotel die Adresse Königsallee 1a.
Cornelius war vergessen
Aber sein Denkmal ist voller Überraschungen. Frauengestalten beherrschen die Szenen. Die Religion ist noch verhüllt, auch Italia und Germania sind sittsam gekleidet. Dann aber: Dr. Faustus wird von der schönen Helena verführt, der männliche Genius enthüllt die fruchtbare Natura, die wunderschöne nackte Poesia singt sirenengleich zur Lyra.
Cornelius war zwar ein frommer Mann mit langem Haar wie der "Nazarener"(so nannte sich sein Malerclub). Aber er heiratete sinnliche Italienerinnen. Ein Zeitgenosse über seine dritte Frau: "Nie sah ich einen schöneren Oberleib".
Autor: Dieter Jaeger | Redaktion: Bruno Reble | © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Weiterführende Links: wikipedia.org/wiki/Peter_von_Cornelius / wikipedia.org/wiki/Peter-von-Cornelius-Denkmal
Donnerstag, 28. September 2017
Montag, 21. August 2017
Wem gehört die Stadt?
Nachlese zum Urban Art Festival auf dem KAMPER ACKER
Wer über die
Kölner Landstraße in den Kamper Acker fährt, fühlt sich wie in einer Arena: eine
große freie Fläche, eingerahmt von den Häusern von Holthausen. Das ist ein
idealer Rahmen für Straßenkunst oder Street-Art (wie es im Jargon heißt) und im
August 2017 den Stadtteil belebt. Holthausen braucht so etwas. Die Klagen über
Drogen, Dealer, Prostitution werden immer lauter.
Wer tiefer
gräbt, hört vom Rückhaltebecken für Regen, ein Becken? Ja, so sieht es aus.
Tatsächlich war der "Kamper Acker" einst ein großer See: der
"Lange Weiher". Von Holthausen sprach keiner. Der See wurde zum eingezäunten
Feld, einem "Kamp".
Aber wo zum
Teufel ist das Wasser?
Wo ist der "Lange Weiher"? Einfach verschwunden, versickert? Gibt es so was? Nein, natürlich nicht, wir sind hier nicht im Land der Tropfsteinhöhlen. Der "Lange Weiher" verschwand durch fürstlichen Befehl.
Der Vater Jan
Wellems, Philippe Wilhelm baute 1661 das alte Schloss Benrath als
"Morgengabe" für seine mit 16 Kindern geplagte Ehefrau Elisabeth. 100
Jahre später baute Carl Theodor wieder für eine Ehefrau Elisabeth (sie war von
Lüsten geplagt) das neue Schloss Benrath. Es waren Wasserschlösser. Die Herren
brauchten Wasser, viel Wasser.
Aus der Itter
wurde der im Schweiß der Hand und Spanndienste gebaute kerzengerade Benrather
"Schweißgraben". Die übrige Itter wurde trocken gelegt. Sollen die
Bauern vom Kappeler Hof, von Niederheid, Holthausen, Itter und Himmelgeist doch
sehen, wie sie klarkommen.
So ist es bis
heute geblieben. Die stolze Itter, die all diese Orte hervorgebracht hat, gibt
es nicht mehr. Sie mündete in Itter (wo denn sonst), später in Himmelgeist in
den Rhein. Am Berg von Holthausen staute sie sich zum "Langen
Weiher", der heute "Kamper Acker" heißt.
Kunst am Kamper Acker ?
Ja, und
Erinnerung an einen großen Fluss.
Autor: Dieter
Jäger |
Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Donnerstag, 27. Juli 2017
Bilk hat wieder eine Tränke für Pferde
16.Mai 2017: Viele waren gekommen aus Politik und Bilker Szene. Doch der Held des Tages heißt Jürgen Striewe. Der Bilker Jong aus der Bachstr.154 hatte in unermüdlicher sechsjähriger „Wühlarbeit“ für die Wiederherstellung der Tränke „gekämpft“. Jetzt war es soweit. Jürgen Striewe zieht an der weißen Leine: Das neue Straßenschild heißt:
Die Pferdetränke steht an einer der ältesten Straßenkreuzungen Düsseldorfs: Die Friedrichstraße ist der wichtigste Südeingang der Stadt. Der hohe Besuch – von Süden kommend - scheute früher die gefährlichen Windungen des Rheins und stieg lieber schon in Himmelgeist aus, um auf dem Landweg über Himmelgeister-, Brunnenstraße zum Schloss in der Altstadt zu gelangen.
Im 19.Jht entstand an dieser Stelle ein Industriekomplex, etwas weiter die Papierfabrik WOESTE. 1890 schuf Stadtplaner Stübben mit dem Hauptbahnhof auch den Bilker Bahnhof. Im 1.Weltkrieg starteten hier die Soldatenzüge an die Westfront: zurück kamen die Verwundeten für das alte Husarenlazarett an der Färber Str.
Ein Überbleibsel des historischen Bahnhofs wurde jetzt wiederhergestellt: die alte Pferdetränke. Sie diente den Pferden, die weiter die Rampe zum Bilker Güterbahnhof heraufmussten, als Rastplatz und Trinkplatz. Versorgt wurden außerdem die Vierbeiner der alten Pferdebahn. 1876 fuhr eine ihrer ersten Strecken von hier zur FLORA nebenan.
Und die Adresse? Neuerdings vielleicht „Bilker Pferdetränke"?
Nein weit gefehlt: Die postalische Anschrift lautet auch weiterhin „Friedrichstr.133“!
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Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Bilker Pferdetränke
Stadtobere in schwarzen Anzügen schwitzen, Pferde wiehern, Sektgläser blitzen in der strahlenden Sonne. Trotz der sommerlichen Hitze von 26 Grad hatte Rosa, das schwarze Prachtpferd der Bilker Schützen, keinen Durst. Dann mit ein paar Lekkerli ein kleiner Stubser ins Wasser: Jubel der über 70 Anwesenden.„Die hat ihren eigenen Kopf !“… sagte der Reiter
Kopf und Herz hatte auch Jürgen Striewe, denn er gab nicht auf. Politiker, Vereinspräsidenten, Bauhofverwalter, sie alle wurden ihn nicht mehr los. Hauptsponsor der Tränke sind die Bilker Schützen. Sie übernehmen die Patenschaft.Die Pferdetränke steht an einer der ältesten Straßenkreuzungen Düsseldorfs: Die Friedrichstraße ist der wichtigste Südeingang der Stadt. Der hohe Besuch – von Süden kommend - scheute früher die gefährlichen Windungen des Rheins und stieg lieber schon in Himmelgeist aus, um auf dem Landweg über Himmelgeister-, Brunnenstraße zum Schloss in der Altstadt zu gelangen.
Im 19.Jht entstand an dieser Stelle ein Industriekomplex, etwas weiter die Papierfabrik WOESTE. 1890 schuf Stadtplaner Stübben mit dem Hauptbahnhof auch den Bilker Bahnhof. Im 1.Weltkrieg starteten hier die Soldatenzüge an die Westfront: zurück kamen die Verwundeten für das alte Husarenlazarett an der Färber Str.
Ein Überbleibsel des historischen Bahnhofs wurde jetzt wiederhergestellt: die alte Pferdetränke. Sie diente den Pferden, die weiter die Rampe zum Bilker Güterbahnhof heraufmussten, als Rastplatz und Trinkplatz. Versorgt wurden außerdem die Vierbeiner der alten Pferdebahn. 1876 fuhr eine ihrer ersten Strecken von hier zur FLORA nebenan.
Vornehm geht die Welt zugrunde
Jetzt gibt es wieder einen geschichtlichen Bezug für den Platz zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum. Dieser öde Konsumtempel sollte ursprünglich mal „Bilker Arcaden“ heißen. Das war den Marketing Experten aber nicht weltstädtisch genug. Also entschied man sich 2008 für die vornehmere Bezeichnung „Düsseldorf Arcaden“.Und die Adresse? Neuerdings vielleicht „Bilker Pferdetränke"?
Nein weit gefehlt: Die postalische Anschrift lautet auch weiterhin „Friedrichstr.133“!
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Autor: Dieter Jäger | Redaktion: Bruno Reble | © www.geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Dienstag, 20. Juni 2017
Mit Heine nach Paris
Auf der Spur der Tour: Vom Grand Depart zum Grande Finale
Als der Schriftsteller Heinrich Heine am 19 Mai 1831 an der Porte St Denis in Paris ankommt, ist er 33 Jahre alt. Ein junger Mann, in Deutschland schon sehr berühmt, aber auch verhasst bei der preußischen Obrigkeit und ständig von Zensur bedroht.
Er zieht ein durch die Triumpf-Pforte des Boulevard
St.Denis, die – so berichtet er selbstbewusst - „ursprünglich zu Ehren Ludwigs XIV. errichtet worden, jetzt
aber zur Verherrlichung meines Einzugs in Paris diente."
Die Stadt steht noch im Zeichen der Julirevolution von
1830, als rebellische Bürger dem König zeigen, dass man Barrique Fässer auch zu
etwas anderem benutzen kann. Daher der Name Barrikade. An der Spitze der
Revolution: liberale Bürger, denen man das Recht auf Publikation verwehrte, im
Bündnis mit Druckern, die um ihre Arbeitsplätze fürchteten. Das imponiert
Heinrich Heine.
Und feinsinnig
beobachtet er: „An den Straßenecken waren freilich hie und da die liberté,
égalité, fraternité schon wieder abgewischt.“
Auch sein Französisch war rostig geworden…
und so
probiert er es gleich bei einem hübschen Blumenmädchen aus, ob sie ihn
versteht. Das klappt noch nicht so richtig, denn er doziert über Lennes
Pflanzeneinteilung und sie sagt ihm, dass es doch nur 2 Sorten Blumen gibt: die
schönen wohlriechenden und solche, die stinken. Da haben wir ihn Heinrich Heine,
der in beiden Welten lebt.
Er zieht in
das Hotel „Des Ambassadeurs“ und wählt so das Viertel, das ihn die nächsten 24 Jahre
nicht mehr loslassen wird. Mit sicherem Bauchgefühl hat er das pulsierende Herz
von Paris im Jahr 1831 gefunden. Seine wichtigsten Wohnungen liegen hier: Rue
de l'Échiquier, Rue Bergère, Boulevard Poissonnière.
Der
Sonnenkönig Ludwig der 14te hatte 1673 übermütig die Stadtmauer von Karl V. abgerissen.
An seine Stelle ließ er die erste riesig große Straße von Paris bauen und mit
Bäumen bepflanzen. Diese Straße wird vom deutschen Wort "Bollwerk" abgeleitet,
bald "Boulevard" genannt.
Draußen vor der großen Stadt
Heine lag mit
dem Wohnsitz auf dem Boulevard an der Nahtstelle zwischen dem mittelalterlichen
Paris südlich zur Seine und dem Neubaugebiet nördlich in Richtung Montmartre
Dieses Neubaugebiet nennen die Pariser "Faubourg" (Vorstadt). Der Faubourg Montmartre (das spätere 9.Arrondissement) wird seine Heimat. Hier waren die Wohnungen geräumiger, zum Teil noch mit Gärten oder Weingärten durchsetzt. Am langsam aufsteigenden, der Süd Sonne zugewandten Hang von Montmartre hing sein Herz. Auf dem jungen Friedhof Montmartre wollte er auch begraben werden. Auf Grund des langsamen Aufstiegs zum Berg Montmartre war dieses Viertel bevorzugt und von allen Faubourgs am weitesten besiedelt.
Dieses Neubaugebiet nennen die Pariser "Faubourg" (Vorstadt). Der Faubourg Montmartre (das spätere 9.Arrondissement) wird seine Heimat. Hier waren die Wohnungen geräumiger, zum Teil noch mit Gärten oder Weingärten durchsetzt. Am langsam aufsteigenden, der Süd Sonne zugewandten Hang von Montmartre hing sein Herz. Auf dem jungen Friedhof Montmartre wollte er auch begraben werden. Auf Grund des langsamen Aufstiegs zum Berg Montmartre war dieses Viertel bevorzugt und von allen Faubourgs am weitesten besiedelt.
Hinzu kommt,
dass in gerader Linie zur Seine das Palais Royal lag, der Mittelpunkt des „Ancien
Regime“ mit seiner Opern und Theaterwelt. Später wird auf dieser geraden Linie „Montmartre-Palais
Royal“ das Einkaufzentrum LAFAYETTE entstehen und die neue Oper: das Zentrum
der "Belle Epoque".
War früher die Rue de Richelieu die Prachtstraße, so wird noch vor dem Baron Haussmann die Avenue d´Opera das neuste Prunkstück. Zwischen den Bergen Montmartre und Belleville liegen die Täler, die von der Eisenbahn besetzt werden (Gare de Lazare, Gare de l‘Est, Gare du Nord).
War früher die Rue de Richelieu die Prachtstraße, so wird noch vor dem Baron Haussmann die Avenue d´Opera das neuste Prunkstück. Zwischen den Bergen Montmartre und Belleville liegen die Täler, die von der Eisenbahn besetzt werden (Gare de Lazare, Gare de l‘Est, Gare du Nord).
Heine lebt
drei Jahre als Junggeselle in immer wechselnden Hotels oder Wohnungen. Die
unzähligen Liebesabenteuer seiner Gedichte sind gewiss übertrieben. "Samstag
küsste mich Jette und Sonntag die Julia und Montag die Kunigunde, die hat mich
zerküsst beinah".
Heine und die Frauen: Oh, la la Mathilde !
Im September
1834 sieht er in seiner Lieblingspassage (Passage des Panoramas) eine
siebzehnjährige Schuhverkäuferin und es ist um ihn geschehen. Er nennt sie nach
einer seiner Romanfiguren "Mathilde".
Nach 7jähriger wilder Ehe (vor einem vielleicht tödlichen Duell) heiratet er sie1841 in der größten Kirche St Sulpice. Mit Mathilde wird er sesshafter, aber die Wohnungen bleiben immer im 9. Arrondissement.
Nach 7jähriger wilder Ehe (vor einem vielleicht tödlichen Duell) heiratet er sie1841 in der größten Kirche St Sulpice. Mit Mathilde wird er sesshafter, aber die Wohnungen bleiben immer im 9. Arrondissement.
Das
Sonnenviertel Montmartre zieht natürlich auch andere an .Die meisten seiner
Kollegen wohnen hier. Hier gibt es die „folies“, die Sommerresidenzen und
heimlichen Liebeslauben des Adels und Großbürgertums. Hier gibt es die
weinseligen Guinguettes-Feste. Hier ist der Carnaval neben der berühmten
"Descente de Courtille" am ausgelassensten. Hier winken die leichten
Mädchen, die Lorettes oder auch die stilleren Grisettes, die schönsten Mädchen
von Paris, sie sind alle hier.
Mit den
Schauspielerinnen und Sängerinnen von der „Commedie Francaise“ und den drei
Opern fängt es an. Sie siedeln an der herausragenden Chaussee d‘Antin und in
der Rue de la Tour des Dames (mit den „Damen“ waren allerdings die keuschen
Nonnen von Montmartre gemeint).
Heines Freundin, das Mannweib mit Zigarre George Sand wohnt hier mit ihrem Geliebten Chopin im Square d’Órleans. Delacroix, der sie malte, wohnt daneben. Toulouse Lautrec später in der Rue St George, selbst der große Victor Hugo in der Rue Laroche-Foucauld. Im Salon der Delphine Grey treffen sich Balzac, Dumas, Hugo, die Brüder Goncourt, später Andre Breton und Richard Wagner. Wenn Heine von der Weltspitze Paris sprach, dann war es hier im 9. Arrondissement.
Heines Freundin, das Mannweib mit Zigarre George Sand wohnt hier mit ihrem Geliebten Chopin im Square d’Órleans. Delacroix, der sie malte, wohnt daneben. Toulouse Lautrec später in der Rue St George, selbst der große Victor Hugo in der Rue Laroche-Foucauld. Im Salon der Delphine Grey treffen sich Balzac, Dumas, Hugo, die Brüder Goncourt, später Andre Breton und Richard Wagner. Wenn Heine von der Weltspitze Paris sprach, dann war es hier im 9. Arrondissement.
PALAIS ROYAL, die Herzkammer der Stadt
Mit Börne ging
er zum dîner ins „Palais Royal“. Hier stand der Rechtsanwalt Camille Desmoulins
am 13.Juli 1789 auf einem Tisch des Café de Foy und rief zum Aufstand, zu den
Waffen. Am nächsten Tag begann die Revolution mit dem Sturm auf die Bastille.
Hier gab es die besten Cafes und nebenan die Comedie Francaise. Alle Opern lagen hier, aber auch die Versammlungsräume der St.Simonisten (=sozial-religiöse Schwärmer). Heine geht gleich am zweiten Tag dorthin.
Hier gab es die besten Cafes und nebenan die Comedie Francaise. Alle Opern lagen hier, aber auch die Versammlungsräume der St.Simonisten (=sozial-religiöse Schwärmer). Heine geht gleich am zweiten Tag dorthin.
Heine war
Journalist der Allgemeinen Zeitung des Herrn Cotta aus München. Also berichtet
er todesmutig vom Ausbruch der Cholera 1832, von den Leichenbergen im neuen
Ostfriedhof Père Lachaise, vom Aufstand der Chiffoniers der Lumpensammler.
Er sah die
Schattenseite der großen Stadt: die Cours des Miracles, die Hugo besang, die Halles
mit dem Friedhof gleich daneben, den schrecklichen Richtplatz Grèves, wo das
Rathaus stand, das in allen Revolutionen eine Hauptrolle spielte.
Das Trinkwasser kam von der Seine, die aber auch Abort aller Exkremente war, die größte Kloake der Stadt. Man glaubte an das gesunde Wasser der Seine, das so wild daher floss mit Luft durchmischt, das musste ja gesund sein.
Das Trinkwasser kam von der Seine, die aber auch Abort aller Exkremente war, die größte Kloake der Stadt. Man glaubte an das gesunde Wasser der Seine, das so wild daher floss mit Luft durchmischt, das musste ja gesund sein.
Alles auf die Straße!
… war die
Parole im Paris mit mittelalterlichen Zügen: der Nachttopf, der Besen, ganz
allmählich Jauchegruben. Das "heimliche Zimmer" verlegte man wegen
des Gestanks unter das Dach. In den engen Gassen hüpften skurrile Gestalten im
Schmutz über die Straßenrinne von einer Seite zur anderen.
Heine lebte am Anfang der Industriellen Revolution.
1840 entsteht im Niemandsland der erste Bahnhof St.Lazare, die ersten Kioske,
zum ersten Mal gehen die Cafés auf die Straße, überall entstehen Bistros, die
Kneipen der kleinen Leute. All dies geschieht in seiner Gegend im 9.
Arrondissement.
Als er krank wird, zieht er mit Mathilde etwas weiter
rauf zum Montmartre in ein ganz neues Neubauviertel, das man "Europe"
nennt. Er kann nicht mehr so mitmischen.
Zum Sterben geht er in die Rue de Matignon 3, am Rond Point
neben der Champs Elysees. Sicherlich hat er das bewusst gewählt. 300m daneben
liegt der Elysee-Palast, der der ganzen Gegend den Namen gibt. Hier hatte die
Pompadour gewohnt, dann Murat, den er aus der Düsseldorf Zeit als Chef des „Grand
Duché de Berg“ kannte. Er hatte als Knabe die Pempelforter Promenade geliebt,
die man damals schon die "Champs Elysees von Düsseldorf" nannte.
Jetzt ist er - am Ende - auf der richtigen Champs Elysees angekommen. Man schiebt den totkranken Mann auf den Balkon und er lauscht dem Getöse der langsam zur Spitze der Stadt wachsenden großartigen Straße.
Jetzt ist er - am Ende - auf der richtigen Champs Elysees angekommen. Man schiebt den totkranken Mann auf den Balkon und er lauscht dem Getöse der langsam zur Spitze der Stadt wachsenden großartigen Straße.
Hier wird er sterben um 6 Uhr früh am 17 Februar 1856.
Er war auf den heiligen Feldern der Champs Elysees. Er hatte es nicht weit bis
zum Paradies.
Autor: Dieter Jaeger
Redaktion: Bruno Reble © 2017 geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Mittwoch, 24. Mai 2017
Le Grand Depart - Düsseldorf und die Franzosen
Hier soll er also gekrönt werden, der erste Bergkönig der Tour de France, am 2.Juli 2017 auf einem Hügel an der Grafenberger Rennbahn. In der Sprache der Experten – ein Berg
der„4. Kategorie“, also ein Mickerling; im Gegensatz zur Stimmung in Düsseldorf. Denn hier geht es um eine Erhebung "hors categorie" (außerhalb von
jedem Maßstab). Und das ist gut so, denn sonst wäre die ganze Inszenierung unattraktiv für die Medien und
die enormen Werbungskosten für die Katz.
Unser „premier maire“ Thomas Geisel übt fleißig
Französisch. Die „maillots“ (Trikots) hat er schon drauf. Das rot gepunktete Bergtrikot heißt "maillot à pois" (mit Pünktchen); nicht zu verwechseln mit „à poil“ (splitternackt). Oh la la, das kann peinlich werden! „bidon“ (Trinkflasche) - „musette“
(Verpflegungsbeutel) - „grand boucle“ (Große Schleife) alles klar. Aber „finale“,
le oder la? Schnell das Wörterbuch!
WIR - SIE
Die Beziehung
zwischen Düsseldorf und den Franzosen war oft einseitig: Wir liebten sie, aber
sie gaben die Liebe nicht zurück und haben uns mehrfach gehörig drangsaliert.
Der machtgierige
Sonnenkönig „Louis Quatorze“ zerstörte die Pfalz und machte das Heidelberger
Schloss von Jan-Wellem bis heute zur Ruine. Französische Revolutionstruppen zerschossen
1796 die Stadt Düsseldorf und verwüsteten den heiligen Hofgarten.
Doch stärker
war letztendlich der Enthusiasmus für die Ideale der französischen Revolution…
Liberté - Égalité - Fraternité
Napoleon belohnte uns. Er machte Düsseldorf zur Hauptstadt eines Großherzogtums. Joachim Murat, ein Schwager des Kaisers, war Chef dieses "Grand-duché de Berg". Er ritt in papagei-farbenen Uniformen herum und schaffte die Strecke von der Altstadt zum Benrather Schloss in 20 Minuten. Die Rheinbahn braucht dazu fast eine Stunde.
Die Preußen
bestraften uns und sahen schließlich ihren König mit Pferdekot bekleckert. Das
wiederum führte zu außerordentlichen Bußprozessionen nach Berlin und der
Tatsache, dass fast die Hälfte unserer Straßennamen Preußens Glanz und Gloria
besingt.
Die Liebe zu
Frankreich kehrt zurück, als 1990 im schrecklichen Derendorfer Güterbahnhof die
Trödelhalle "Les Halles" eröffnet wird. Die Düsseldorfer taufen sie
auf "Läsalles" und von nun an kennt die Begeisterung keine Grenzen
mehr. Die "Allee de Toulouse" wird zur Autofalle, "Le
Flair" und "Ciel et Terre" bauen Wolkenkratzer, mit „Quartier
Central, Quartier Boheme, Quartier André“ wird die Stadt parzelliert und mit
Retematäng und anderen Fiesematänten geht es direktemang zu „bon chic – bon genre“.
Kein Wunder, dass
wir uns oft nicht verstehen: Aus „tournedos“ (Rindsfilet) wird ein Tornado, aus
dem „hotel de ville“ (Rathaus) eine städtische Herberge und mit „quel bordel !“
ist keineswegs ein Freudenhaus gemeint, sondern Unordnung und Konfusion.
Genau das hatte ein Staatsekretär Napoleons vor Augen, als er schrieb: "Hier herrscht Chaos und Schlamperei... wie in Paris." Doch die Düsseldorfer sind nicht auf den Mund gefallen und erfinden den Ausdruck „Klein-Paris“.
Genau das hatte ein Staatsekretär Napoleons vor Augen, als er schrieb: "Hier herrscht Chaos und Schlamperei... wie in Paris." Doch die Düsseldorfer sind nicht auf den Mund gefallen und erfinden den Ausdruck „Klein-Paris“.
Düsseldorf – le petit Paris
Heute würde man MARKETING dazu sagen.
Autor:
Dieter Jaeger Redaktion: Bruno Reble
© 2017 geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Sonntag, 23. April 2017
Rettet das Theatermuseum - Rettet das Hofgärtnerhaus!
Triton, der
Meeresgott, den wir zärtlich "Jröne Jong" nennen, wehrt sich erschrocken
gegen ein aus der Tiefe auftauchendes Flusspferd, dass ihm sein Essen stehlen
will. Die Düsseldorfer fühlen sich wie Triton. Man will ihnen das schöne Haus
neben dem Springbrunnen stehlen und privaten Investoren zuschanzen.
Kurfürst Carl
Theodor hatte es angeordnet. Sein Architekt Nicolas de Pigage hatte es gebaut. Caspar
Anton Huschberger hatte es nach den Zerstörungen durch die Franzosen 1804
wieder aufgebaut. Adolph von Vagedes arbeitete daran. Die modernen
Gartenschöpfer Friedrich Hillebrecht (Ostpark / Volksgarten) und Walter von
Engelhardt (Kö / Kugelspielerin) halfen mit. Der größte unter ihnen Maximilian
Friedrich Weyhe wohnte in diesem Haus, zumindest eine Zeit lang. Die größten
Theatermacher der Stadt Leberecht Immermann, Louise Dumont und Gustaf Gründgens
machten es mit ihren Denkmälern zum Theatermuseum.
Das Portal zum Himmel
Das
Hofgärtnerhaus war der Eingang zum Hofgarten, mit eisernem Gitter
abgeschlossenem, dahinter die viel besungenen heiligen Felder (Champs Elysées) von
Düsseldorf, also ein Ort, von wo es direkt in den Himmel geht. Goethe und Heine
weilten weiland an dieser Stelle und sind heute gewissermaßen im „Himmel der
Literatur“.
Hier vor der
westlich gelegenen Stadtmauer befand sich einst der Gemüsegarten von Wilhelm dem
Reichen, später der Hopfengarten von Jan Wellem. Hier entsteht ab 1769 der
Hofgarten, der erste öffentliche Park Deutschlands, zur „Lust der
Einwohnerschaft“, noch früher als der "Englische Garten" in München.
Mit Blasmusik und Gegröle
Schon einmal
wurde das Haus des Hofgärtners entweiht, denn der Gärtner-Familie war es erlaubt,
"Refraichments" zu reichen. Diese Erfrischungen scheinen jedoch
ziemlich viel Alkohol enthalten zu haben, denn nach vierjährigem Aufenthalt in
der Dienstwohnung des Hofgärtnerhauses gab der Gartenbaumeister Maximilian Weyhe
im Jahre 1808 entnervt auf und zog in die Jacobistraße, weil der Lärm der
Gastronomie im Untergeschoss, verbunden mit lauter Blasmusik nicht zu ertragen
war.
Der Garten der Götter
Am Anfang gab
es um das Gärtnerhaus einen eigenen kleinen Garten voller Gestalten der
Götterwelt. Zwei ragten hervor und ergötzten die Düsseldorfer Gesellschaft bei
ihren Spaziergängen über die "Pempelforter Promenade": das sonderbare
Paar Herkules und Omphale.
Herkules, der
stärkste Held der Antike war in blinder Liebe zu Omphale zum Narren geworden:
in Frauenkleidern erschlafft, half er beim Wolle weben und Stricken.
Unser OB Thomas
Geisel, der „Herkules von Düsseldorf“, wird sicherlich von anderen Qualen gepeinigt.
Aber auch er muss aufpassen, dass er nicht zum Narren wird und dabei das
Wichtigste verliert: das Vertrauen und die Zuneigung seiner Bürger.
Autor:
Dieter Jaeger Redaktion: Bruno Reble
© 2017 geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Dienstag, 28. März 2017
Nach über 100 Jahren: Carsch Haus macht dicht
Angefangen
hatte alles im März 1915: Der Kaufmann Paul Carsch eröffnete ein „Haus für
vornehme Herren- und Knabenkleidung, Sport- und Livree-Kleidung +
Herren-Mode-Artikel“, als Gegenstück zum Warenhaus Tietz aus dem Jahre 1909
(heute: KAUFHOF). Beide Unternehmen mit prächtigen Jugendstil-Fassaden
schrieben Kaufhausgeschichte.
Drei Jahre zuvor hatte man eine noch größere „Brücke am Rhein“ verschoben: der Neubau der Oberkasseler, knapp 50 Tonnen Stahl mit viel Schmierseife 50 m stromabwärts. Düsseldorf war schon immer bekannt für spektakuläre Aktionen, besonders wenn Millionen von TV-Zuschauern weltweit dabei sind.
Eine neue Brücke entsteht
In der neuen BRÜCKE im Marx-Haus pflegten 27 Auslandsgesellschaften kulturellen Austausch mit Düsseldorf, darunter der deutsch russische Kreis "Kontakti". In der Gorbi-Euphorie der 90iger Jahre machte ich Führungen für Russen und fuhr 6mal mit meiner Schule zur Partnerstadt Moskau.
Als ich in der
wunderschönen Metro eine Stunde lang vergebens das rettende Wort
"Ausgang" suchte, lernte ich Russisch. "Maria iz
Petersburga", ein Au Pair Mädchen, war eine strenge Lehrerin. Zehnmal ließ
sie mich die Vokabel wiederholen: "Sdrastwuitje" (Guten Tag). "Nein
Dieter, das ist noch nicht richtig". Wir übten im Flur der
BRÜCKE, ausgerüstet mit Magnetophon und Steckdose.
Der Hausmeister blickte argwöhnisch vorbei: eine schöne junge Frau, ein alter Mann, Schweinereien?
Ich habe alles vergessen, aber wenn ich heute im Keller der BRÜCKE, unter dem alten Carschhaus, meinen Tiramisu genieße, sage ich leise "tirami su" (zieh mich rüber!).
"Maria iz Petersburga" sitzt neben mir, ich bin wieder jung und wir fahren zusammen in ihre große goldene Stadt.
Autor: Dieter Jaeger Redaktion: Bruno Reble © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
Die
Gründerfamilien Tietz und Carsch, wurden von den Nazis erst drangsaliert „Deutsche
kauft nicht bei Juden!“ dann arisiert (d.h. zwangsenteignet) und verfolgt.
Nach den
Zerstörungen des letzten Krieges wurde das zertrümmerte Carsch-Haus 1949 von der
englischen Militärbehörde zum „Anglo German Center“ aufgebaut.
Wo unsere Kinoleidenschaft
begann
Dieter Jäger erinnert
sich: „Reeducation“ nannten sie es, wir wurden alle entnazifiziert. Ich wusste
mit den Nazis damals noch nicht viel anzufangen, aber es gab Micky Maus, Dick
und Doof umsonst. Da nahm man auch schon mal die vielen Kulturfilme in Kauf;
alles in Englisch, das half mir in der Schule.
Ich hatte bis
dahin nicht viele Filme gesehen, meine Mutter nannte es Teufelszeug… und es
kostete Geld. Hier also alles umsonst, der Start meiner geheimen Leidenschaft
in den Kinos auf der Graf Adolf Straße.
Nach dem Kino
ging es nebenan zum einzigen Paternoster im Marx-Haus: Oben würde man umkippen,
hieß es oder unten auf dem Kopf stehen. Es war Kino live: zuerst die Schuhe,
die Beine, dann vielleicht eine schöne Frau; und spannend war es auch, das
rechtzeitige Raus- und Reinspringen.
"Schiebung"
war in
Als 1979 die
U-Bahn kam, wurde "Die Brücke" (so hieß das Haus jetzt) um 23 m nach
hinten verschoben, Stein für Stein abgebaut, nummeriert und wieder zusammen gesetzt, eine einmalige Aktion.Drei Jahre zuvor hatte man eine noch größere „Brücke am Rhein“ verschoben: der Neubau der Oberkasseler, knapp 50 Tonnen Stahl mit viel Schmierseife 50 m stromabwärts. Düsseldorf war schon immer bekannt für spektakuläre Aktionen, besonders wenn Millionen von TV-Zuschauern weltweit dabei sind.
Eine neue Brücke entsteht
In der neuen BRÜCKE im Marx-Haus pflegten 27 Auslandsgesellschaften kulturellen Austausch mit Düsseldorf, darunter der deutsch russische Kreis "Kontakti". In der Gorbi-Euphorie der 90iger Jahre machte ich Führungen für Russen und fuhr 6mal mit meiner Schule zur Partnerstadt Moskau.
Der Hausmeister blickte argwöhnisch vorbei: eine schöne junge Frau, ein alter Mann, Schweinereien?
Ich habe alles vergessen, aber wenn ich heute im Keller der BRÜCKE, unter dem alten Carschhaus, meinen Tiramisu genieße, sage ich leise "tirami su" (zieh mich rüber!).
"Maria iz Petersburga" sitzt neben mir, ich bin wieder jung und wir fahren zusammen in ihre große goldene Stadt.
Autor: Dieter Jaeger Redaktion: Bruno Reble © geschichtswerkstatt-duesseldorf.de
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